Forschungsarbeit: Der unanthologische Trajanov

Der unanthologische Trajanov

Die getilgte Dekadenz. Über die Verwandlungen der poetischen Sprache

Schriften zur Literaturgeschichte, Band 11

Hamburg 2009, 192 Seiten
ISBN 978-3-8300-4321-8

Dekadenz, Dekadenzliteratur, Jahrhundertwende, Jugendstil, Lebensphilosophie, Literaturgeschichte, Literaturwissenschaft, Monumantalsprache, Symbolismus, Teodor Trajanov

Zum Inhalt

Die Studie „Der unanthologische Trajanov“ erleuchtet die dunkle Frühphase im Schaffen des Dichters, der eindeutig zum konsequentesten Symbolisten in der Geschichte der bulgarischen Literatur erklärt worden ist. Die Untersuchung stellt sich die Aufgabe, die dekadente Sprache des jungen Trajanov in ihrer unmittelbaren Authentizität und markanten Zügen zusammenzufassen, und ihr weiteres Leben im Schaffen des Dichters nachvollzuziehen.

Das Werk Trajanovs stellt eine erhaben teleologische Entwicklungslinie dar: Von den krassen Dekadenzbildern und Verfallsstimmungen (seit 1905 bis zum Buch „Regina mortua“ aus dem Jahre 1909), durch die definitive poetologische Entgrenzung (Dekadenz, Jugendstil, teilweise Expressionismus), die im Buch „Chimni i baladi“ (1912) hervorgehoben ist, bis zur undurchsichtigen, aufdringlich heiteren Monostilistik der Anthologie „Osvobodenijat covek“ (1929), in welcher die verschiedenartigen poetologischen Schriften ineinander verschmolzen sind. Die später verfassten Bücher – „Panteon“ (1934) und „Zemja i duch“ (1941) – bestätigen und verhärten die schon gewonnene Monostilistik.

Die einheitlich-beschwörerische Poetik aber ist von jenen Werken Trajanovs vorausgesetzt, die üblicherweise für sonderbare Abweichungen in seinem geradlinigen dichterischen Weg gehalten worden sind: Vom Buch des poetologischen Umbruchs „Balgarski baladi“ (1921), durch welches sich Trajanov ein aggressives Pathos und eine heldenhaft-kriegerische Bildlichkeit angeeignet hat; durch das einzigartige Poem- Manifest „Pesen na pesnite“ (1923), wo der Autor zu seinen ehemaligen melancholischen Suggestionen unverhofft zurückgreift und eine Teleologie im rosenkreuzerischen Sinne entwirft, die alle seine symbolträchtigen Bilder verknüpft und semantisch aktivisiert, bis zum Buch „Romanticni pesni“ (1926), wo unter der naiv-volkstümlichen Romantik der überarbeiteten Gedichte eine entzauberte, mit monumental-schroffen Umrissen, Welt, ganz im Sinne der sachlichen Tendenzen der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts, steckt (1926). Diese Bücher bereiten die radikale Selbststilisierung Trajanovs vor: In ihnen hat der Dichter die Beschwörung, die Teleologie und seine in hohem Maße konventionalisierten Symbole herausgearbeitet.

Das Umgehen mit der Dekadenz, die Herstellung ganz neuer poetischen Welten und Weltanschauungen und der plötzliche Rückgriff zu den getilgten Ausdrucksmitteln – auf diese Forschungspunkte ist die Recherche konzentriert. Wenn alle diese Vorgänge in der Poetik Trajanovs eingehender betrachtet werden sind, wird sich auch seine Einstellung in der Geschichte der bulgarischen Literatur grundlegend modifizieren, und damit wird auch der rigide Überblick über die Anfänge und die Auswege des bulgarischen Symbolismus aufgehoben sein.



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