Forschungsarbeit: Anwaltliche Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung

Anwaltliche Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung

Eine explorative Studie zur Rechtswirklichkeit anwaltlicher Insolvenzberatung im Rahmen des § 305 InsO

SOCIALIA – Studienreihe soziologische Forschungsergebnisse, Band 99

Hamburg 2009, 140 Seiten
ISBN 978-3-8300-3883-2 (Print/eBook)

Rezension

[...] Die Verbraucherinsolvenzberatung ist innerhalb der Anwaltschaft ungleich verteilt und konzentriert sich auf wenige Kanzleien, die häufig klein sind und in zeitlicher Nähe zum Inkrafttreten der InsO gegründet wurden. Der Verfasser weist nach, dass Kanzleien, die mit Stellen der öffentlichen Schuldnerberatung gut vernetzt und in Regionen ansässig sind, in denen die Amtsgerichte Beratungshilfe für die außergerichtliche Schuldenregulierung gewähren, sich zumeist hoch spezialisieren konnten, während sich andere Kanzleien breiter aufstellen müssen und deshalb eine geringere Routine bei der Insolvenzberatung aufweisen. Interessant ist der Befund, dass Mandanten der Anwaltschaft im Durchschnitt mit höheren Summen und bei mehr Gläubigern verschuldet sind als Klienten öffentlicher Beratungsstellen.

Matthias Kilian, in:
Anwaltsblatt, AnwBl 12/2011

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Zum Inhalt

Mit der im Jahr 1999 in Kraft getretenen Insolvenzordnung (InsO) ist nicht nur erstmals im deutschen Recht die Möglichkeit einer Verbraucherinsolvenz und Restschuldbefreiung für zahlungsunfähige natürliche Personen geschaffen worden, sondern auch eine Neuordnung der institutionellen und professionellen Zuständigkeiten für überschuldete Privathaushalte vorgenommen worden: Neben den öffentlichen Schuldnerberatungsstellen sind nun auch Rechtsanwälte in der Beratung und Vertretung überschuldeter Personen tätig.

In der hier vorgelegten empirischen Studie wird zum ersten Mal die Rechtswirklichkeit anwaltlicher Beratung und Vertretung von Schuldnern im Vorfeld des Verbraucherinsolvenzverfahrens untersucht. Die Studie basiert auf einer Auswertung von 3.000 außergerichtlichen Einigungsversuchen sowie 18 Experteninterviews mit Rechtsanwälten, Vertretern der Anwaltschaft, der öffentlichen Schuldnerberatung und anderer Verbände. Untersucht wird die quantitative Beteiligung der Anwaltschaft an der Insolvenzberatung, die Bedeutung der Beratungshilfe für die anwaltliche Tätigkeit, die Klientel und Arbeitsweise der Anwaltschaft im Vergleich zur öffentlichen Schuldnerberatung sowie die Zusammenarbeit von Rechtsanwälten mit kommerziellen Schuldenregulierern. Die Studie schließt nicht nur eine Lücke der empirischen Forschung zum Wandel der sozialen Infrastruktur zur Entschuldung, sondern bietet darüber hinaus einen Überblick über den Stand der Überschuldungsforschung in Deutschland und thematisiert das Verhältnis von Verbraucherinsolvenz und Sozialpolitik.



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