Doktorarbeit: Purismus als Strategie europäischer Sprachpolitik

Purismus als Strategie europäischer Sprachpolitik

Eine Untersuchung am Beispiel der „Kleinsprachen“ Sardisch, Isländisch, Lettisch

PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 117

Hamburg 2008, 556 Seiten
ISBN 978-3-8300-3519-0

"Reinhaltung von Sprache", Europäische Sprachpolitik, Gesellschaftspolitische Prozesse, Globalisierung, Heimsprache, Isländisch, Kleinsprachen, Kulturstrategie, Lettisch, Minderheitensprachen, Muttersprachler, Nationalsprachen, Neologismus, organon politikon, Philologie, Sardisch, Soziolinguistik, Sprachalltag, Sprachgebrauch, Sprachgemeinschaften, Sprachliche Identität, Sprachpurismus, Sprachwissenschaft

Zum Inhalt

Das Buch befasst sich mit der „Reinhaltung von Sprache“. Der theoretische Teil behandelt ausgewählte sprachpolitische Fragestellungen, die das Phänomen „Sprachpurismus“ zu erklären versuchen. Es wird u.a. die Funktion von Sprache als organon politikon diskutiert, also ihre Bedeutung als Instrument zur Steuerung gesellschaftspolitischer Prozesse und der Einfluss ihres politischen Symbolwertes. Der empirische Teil präzisiert die Situation dreier kleiner europäischer Sprachen – Sardisch, Isländisch, Lettisch – und ihr Streben nach Selbstbehauptung. Die soziolinguistischen Gegebenheiten der Sprachgemeinschaften werden detailliert dargestellt. Dabei repräsentieren diese Sprachen jeweils eine bestimmte Gruppe europäischer Kleinsprachen: Das Sardische mit ca. 1,5 Millionen Sprechern vertritt die Gruppe der Minderheitensprachen, die sich in einer unmittelbaren Konkurrenzsituation mit einer „großen Nationalsprache“ – in diesem Fall dem Italienischen – befinden und nur noch die Funktion einer „Heimsprache“ erfüllen. Das Isländische mit ca. 300.000 Sprechern repräsentiert die „starken Kleinsprachen“, die in allen Lebensbereichen problemlos zur Anwendung gelangen. Das Lettische mit 1,5 Millionen Muttersprachlern hat als Nationalsprache Lettlands seit der Auflösung der Sowjetunion erfolgreich den Weg zu seiner Revitalisierung beschritten. Damit repräsentiert es diejenigen Kleinsprachen, die nach einer langen Zeit der Unterdrückung dabei sind, ihre kulturelle und sprachliche Identität neu zu finden. In diesem Rahmen werden in dem Buch die Ergebnisse der Studie „Sprachplanung vs. Sprecherverhalten bei ausgewählten Minderheiten- und Kleinsprachen – Zur Verwendung eigensprachlicher Neologismen im Sprachalltag“ präsentiert: Eigensprachliche Benennungen wurden daraufhin untersucht, inwieweit sie im Sprachgebrauch der betreffenden Sprachgemeinschaften tatsächlich Fuß gefasst haben, bzw. ob sie sich beispielsweise gegen englische Lehnwörter durchsetzen konnten.

Neben der Frage, welche Ergebnisse die in dem jeweiligen Land bzw. der jeweiligen Region betriebene Politik zur Lenkung und „Reinhaltung“ der betreffenden Sprache aufzuweisen hat, behandelt das Buch ferner die Frage, welchen Nutzen eine puristisch ausgerichtete Sprachpolitik für große Sprachnationen haben könnte. Auch die großen europäischen Nationen sind in zunehmendem Maße von anderen, größeren Staaten wirtschaftlich und politisch abhängig. Gleichzeitig propagiert das vielfach gebrauchte Schlagwort der Globalisierung die sich auflösenden wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Grenzen. Damit befinden sich große Sprachgemeinschaften allmählich in der gleichen Situation, mit der sich kleine Sprachgemeinschaften schon länger konfrontiert sehen. Kleine Sprachgemeinschaften lebten stets mit dem intensiven Druck, sich kulturell abgrenzen und sich gleichzeitig fremden Einflüssen öffnen zu müssen. Um zu überleben, mussten sie Strategien entwickeln, um nicht in einer größeren Kultur aufzugehen, sondern von ihr zu profitieren. In diesem Zusammenhang erörtert das Buch die Funktion von Sprachpurismus als Kulturstrategie.



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