Dissertation: Sola Gratia - Überlegungen zu einer religionspädagogisch verantwortbaren Gnadentheologie

Sola Gratia - Überlegungen zu einer religionspädagogisch verantwortbaren Gnadentheologie

Schriften zur Praktischen Theologie, Band 7

Hamburg 2007, 388 Seiten
ISBN 978-3-8300-3298-4

Erbsünde, Gnadenlehre, Gnadentheologie, historisch-kritische Exegese, Religionspädagogik, Religionsunterricht, Schülerumfrage, Sola Gratia, Theologie, Transaktionsanalyse, Werkgerechtigkeit

Zum Inhalt

„Du bist o.k.“

In seiner Studie „Sola Gratia – Überlegungen zu einer religionspädagogisch verantwortbaren Gnadentheologie“ stellt Otto J. Bertele Ergebnisse seiner bisherigen religionspädagogischen Tätigkeit im Licht der bibelwissenschaftlichen Exegese sowie einer qualitativ-quantitativen Umfrage im Schulbereich vor: Die reformatorischen Propria, insbesondere die Aussage „Nur die Gnade“, welche sich aus Sicht Luthers vor allem gegen eine Werkgerechtigkeit zur Heilserlangung richtete, hat immer noch oder wieder religionspädagogisches Gewicht. Ein zwingender „Zusammendenk“ dieser Gnade mit menschlicher Erbsündenbelastung ist allerdings fragwürdig, als theologische Aussage ebenso wie in den lebenspraktischen Folgen.

Die systematisch-dogmatische Formel der menschlichen Erbsünde, welche in verschiedenen Nuancen die diversen kirchlichen Traditionen durchzieht, auch in den Kirchen der Reformation, lässt sich jedenfalls aus biblisch-exegetischer Sicht kaum halten. Weder die Texte aus Genesis noch die paulinischen Bezugnahmen lassen sich nach heutigem Forschungsstand in diese Richtung deuten.

Befragt man SchülerInnen nach ihren Vorstellungen und Übersetzungen von „Gnade“, so wird diese en gros mit „Güte“, „Verzeihen“, „Erbarmen“ etc. wiedergegeben, entgegen der Verkürzung eines rein juristisch verstandenen Gnadenaktes. So sind die Meinungen der SchülerInnen durchaus nahe an dem, was biblisch unter Gnade in all seinen Facetten zu verstehen ist. Befragt man umgekehrt nach Erbsünde, ist den meisten nichts davon bekannt, bei denen aber, die dazu etwas sagen, kommt im wörtlichsten Sinne „Ver-rücktes“ zutage: Das Verständnis der Erbsünde changiert zwischen einer erblichen Belastung, einer Blutschuld und „Erbschleicherei“. Ist die Erbsündenlehre also ganz aufzugeben, wie manche moderne Theologie meint? Es heißt ja schließlich „sola“, „nur“ die Gnade.

Jedenfalls, dafür plädiert der Verfasser, ist eine religionspädagogisch verantwortbare Gnadenlehre im ersten Schritt völlig von dieser geschichtlichen Negativfolie abzukoppeln und streng am biblischen Befund zu orientieren und zugleich und zuvorderst an den Ohren und Mündern heutiger Schülerwelt anzuknüpfen. Ökumenisch wie auch religionsübergreifend könnte christlicher Glaube damit punkten. Ansatz einer modernen „Übersetzung“ der reformatorischen Gnadenaussage könnte etwa die, theologisch reflektierte, Zusage „Du bist o.k.“, wie sie der Psychologe Thomas Harris in der Transaktionsanalyse gibt, sein.



Sie wollen Ihre Dissertation veröffentlichen?

nach oben