Dissertation: Material Mind – Neue Materialien in Design, Kunst und Architektur

Material Mind – Neue Materialien in Design, Kunst und Architektur

Schriften zur Kulturwissenschaft, Band 70

Hamburg 2008, 332 Seiten
ISBN 978-3-8300-3292-2 (Print/eBook)

AMM, Architektur, associative material mind, Assoziatives Materialgedächtnis, Design, Designwissenschaft, Erinnerungskulturen, Industriedesign, Kulturelles Gedächtnis, Kulturwissenschaft, Kunst, Kunstwissenschaft, Materialberatung, Materialgedächtnis, Materialhistorie, Materialien im Design, Materialien in der Architektur, Materialien in der Kunst, Materielle Codes, Nachhaltige Materialien, Nachhaltige Werkstoffentwicklung, Neue Materialien, Transportation Design

Zum Inhalt

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Die Ergebnisse dieser von Michael Glasmeier (Kunstwissenschaften, Hochschule für Künste Bremen) und Stephan Rammler (Transportation Design and Social Sciences, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig) begutachteten Doktorarbeit verfolgen die Entwicklung nachhaltiger, verantwortungsbewusst eingesetzter Materialien und den Erhalt kultureller Werke und – Werte. Das Assoziative Materialgedächtnis („associative material mind“ = AMM) wurde am Modell der praktizierten Materialberatung und mit Kenntnis der von Astrid Erll beschriebenen Erinnerungskulturen und dem von Jan Assman in den 1990er Jahren formulierten „Kulturellen Gedächtnis?, entwickelt. In der Macht der materiellen Codes, dessen Träger materielle Artefakte des Designs, der Kunst und der Architektur darstellen, sucht die Verfasserin eine Balance zwischen dem Respekt vor tradiert handverarbeiteten (lokal gefundenen) nachwachsenden Rohstoffen bis zu der möglichen „Intelligenz“ aktueller (global vertriebener) synthetischer Materialverbindungen herzustellen. Hierbei wurden die betont empirischen Studien, die sich an Hand von Messe-, Kongress- und Kunstausstellungsgeschehen zum Thema Material während des Zeitraumes von 2002 bis 2007 orientierten, einer kulturwissenschaftlichen Lesbarkeit der jeweiligen Materialsprachen unterzogen.

Die komparative Methodik innerhalb der Design- und kunstwissenschaftlichen Untersuchung untermauerte die These, das der Einsatz neuer Materialien zu Beginn des 21. Jahrhunderts häufig nicht funktionsorientiert sondern prozessorientiert erfolgte - ausgehend von der Faszination der Materialmöglichkeiten von zum Beispiel Silikon, Nanomaterialien oder Technogel. Indem Beispielsweise die Skulptur „marsyas“ von Anish Kapoor 2003 (Tate Modern Galery, London) aufgrund der Membranbauweise der Architektur erst möglich wurde, eröffnet dieser Blick die Möglichkeit von der jeweils fachfremden Disziplin lernen zu können. Und auch ein „Lernen aus der Materialhistorie“ ist möglich, wenn bestimmte Materialentwicklungen zurückverfolgt werden, wie es zum Beispiel im AXA Art und Vitra Design Conservation Project an Hand von synthetischen Materialien wie denen des Panton Stuhls der Fall ist und somit der zukünftigen Materialhandhabung von synthetischen Stoffen in der Kunst und im Design dient. Die in dieser Forschungsarbeit idealtypisch gewählten Beispiele reichen bis zur Darstellung des metaphorischen Wertes, der sich hinter materialnarrativen Erinnerungskulturen verbirgt, wenn das Individuum bestimmte Materialien assoziativ an Hand familiärer Erinnerungsstücke einer bestimmten Dekade memoriert oder „das Stück Mauer“ der Berliner Mauer zum kollektiven Gedächtnis stilisiert wird.

Um den Wert der materiellen Codes dieser Kulturträger zu ermessen ist heute ein zunehmendes Vernetzen von Fachdisziplinen notwendig. Hierbei werden Aspekte der Neurowissenschaften mit kunstwissenschaftlichen und philosophischen Betrachtungsmöglichkeiten verbunden und mit Hilfe soziologischen und ethnologischen Interpretationen in Summa ihrer Bedeutung zu geführt. Diese interdisziplinäre materialwissenschaftliche Methodik dient innerhalb zunehmender globaler Materialwirtschaftsmärkte in praktischer Hinsicht der Materialberatung (mit Hilfe des AMM) und letztendlich einer humanethisch nachhaltigen Werkstoffentwicklung der Zukunft. Zugleich dienen synergetische und synästhetische Lösungen in Kunst und Design in theoretischer Weise der Bewusstwerdung und der Bewahrung des materiellen Kulturerbes aus dem es zu lernen gilt. „thinking about material is touching material“.

Zur Autorin

Marina – Elena Wachs (*1966) ist Damenschneidermeisterin, Schnittdirektrice und Diplomdesignerin. Frau Wachs promovierte 2007 an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig mit dem Thema „Material Mind – Neue Materialien in Kunst, Design und Architektur“. Marina-Elena Wachs arbeitet als interne Unternehmensberaterin, freie Autorin, Kuratorin und Dozentin. Ihre aktuellen Forschungsthemen sind die inner- und transdisziplinäre Betrachtung von Materialien in der Freien Kunst, im Design und in der Architektur für die Entwicklung nachhaltiger Materialien als auch zur Weiterentwicklung des Modells des „Assoziativen Materialgedächtnisses“ zum erhalt kultureller Werke und Werte.



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