Dissertation: Pest und Krieg im Ostseeraum

Pest und Krieg im Ostseeraum

Der „Schwarze Tod“ in Stralsund während des Großen Nordischen Krieges (1700-1721)

Greifswalder Historische Studien, Band 7

Hamburg 2007, 342 Seiten
ISBN 978-3-8300-3118-5 (Print/eBook)

Geschichtswissenschaft, Großer Nordischer Krieg, Medizingeschichte, Ostseeraum, Pest, Pestepidemie, Schwarzer Tod, Schwedisch-Pommern, Seuchenstatistik, Stadtgeschichte, Stralsund

Zum Inhalt

Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts blieb die Pest in Nord- und Mitteleuropa ein mit notorischer Vernichtungskraft ausgestatteter Begleiter der Menschen.1 Dabei hielt der „Schwarze Tod“ nicht nur im Mittelalter reiche Ernte, sondern hinterließ ebenso zu Beginn des 18. Jahrhunderts markante Spuren. Einen geographischen Seuchenschwerpunkt in dieser Zeit bildete der Ostseeraum, der während des Großen Nordischen Krieges (1700-1721) im Zeitraum von 1708 bis 1712 von einer Pestepidemie gewaltigen Ausmaßes heimgesucht wurde. Ausgehend von dem Seuchenzug in Polen erreichte die Pest innerhalb weniger Jahre eine tödliche Dynamik, die bis in den hohen Norden nach Stockholm ausgriff.

Wesentlicher Katalysator der Pest war der Große Nordische Krieg, der eine bedeutende Anzahl Menschen innerhalb kurzer Zeit weite Teile Nord- und Osteuropa durchschreiten ließ und so ganz entscheidend zur Ausbreitung der Pest beitrug. Unabhängig von etwaigen Kriegshandlungen dürfen aber auch die außerordentlich engen Handelskontakte der Ostseeanrainer nicht unberücksichtigt bleiben, denen grundsätzlich und permanent die Gefahr der Weiterleitung der Pest oder auch anderer Krankheiten innewohnte.

Ausgeprägte Handelskontakte im gesamten Ostseeraum unterhielt auch Stralsund. Darüber hinaus war die Stadt am Strelasund als Garnisonsstandort und Festung ein überaus wichtiger Pfeiler des schwedischen Königreichs im Heiligen Römischen Reich und so mittel- und unmittelbar in den Großen Nordischen Krieg involviert. Die Einbindung in ein engmaschiges Handelsnetz und das Einwirken des Großen Nordischen Krieges führten allerdings unter den Bedingungen einer rasch um sich greifenden Epidemie zu einer erheblichen Gefährdung Stralsunds, die mit dem Ausbruch der Pest im Sommer 1710 ihren vorläufigen Höhepunkt fand.

Aufgrund der eben beschriebenen exogenen Faktoren soll also die Handelsstadt Stralsund als Untersuchungsort zum Pestgeschehen im südlichen und östlichen Ostseeraum während des Großen Nordischen Krieges herangezogen werden. Das Werk selbst ist als lokalhistorische Studie angelegt, die aber gleichzeitig den überregionalen Kontext -Pest im Ostseeraum- nicht außer Acht läßt.

Als Untersuchungszeitraum werden die Jahre 1709 bis 1714 eingefaßt, wobei der Rückmarsch des Korps Krassow aus Großpolen nach Schwedisch-Pommern und die endgültige Abwicklung des Stralsunder Collegium Sanitatis als äußere Zeitmarken anzusehen sind.

Es soll ein möglichst komplexes, aber kein abgeschlossenes Bild der Stralsunder Pestepidemie (1710-1711) gezeichnet werden, da die vorhandenen Quellenbestände bestimmte Fragestellungen nur partiell ausleuchten. Dazu zählen beispielsweise das Verhältnis zwischen medizinischen Fachkräften und Pestkranken, die individuelle Krankheitserfahrung oder auch genaue Angaben zur Seuchenstatistik.

Grundsätzlich gilt es mit dieser Untersuchung dem Verhältnis von Krankheit und Gesellschaft nachzugehen und zu prüfen, inwieweit und mit welchen Mitteln die frühneuzeitliche Stadtgesellschaft der außerordentlichen Bedrohung durch die Pest begegnete.



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