Lebenserinnerung: Zwischen Gewalt und Frieden in einem doppelgesichtigen Jahrhundert

Zwischen Gewalt und Frieden in einem doppelgesichtigen Jahrhundert

Lebenserinnerungen, Band 71

Hamburg 2008, 258 Seiten
ISBN 978-3-8300-3096-6 (Print/eBook)

20. Jahrhundert, Autobiografie, Bildungsroman, DDR, Drittes Reich, Erziehungswissenschaft, Geschichte von unten, Hitler, Hochschulprofessor, Lebenserinnerungen, Leningrad, Nationalsozialismus, Nazi-Verfolgung, NS-Herrschaft, Weimarer Republik

Zum Inhalt

Der Autor beschreibt mit eindrucksvollen Beispielen den primär von politischen Ereignissen bestimmten Weg seines Lebens von der Weimarer Zeit über die Herrschaft Hitlers bis in die Gegenwart der Bundesrepublik. Entstanden ist so das Bild eines Jahrhunderts mit zwei gegensätzlichen Gesichtern aus der Perspektive einer „Geschichte von unten“.

Die Ausführungen folgen keiner chronologischen Ordnung. Sie beginnen mit dem folgenreichsten Erlebnis dieser Existenz, nämlich der beinahe tödlichen Verwundung im Zarenpark vor Leningrad. Danach wird das „erste Leben“ im Hamburg der Weimarer Republik und des „Dritten Reiches“ geschildert. Der sehr sensible Junge aus sozialistischem Elternhaus gerät bereits in früher Kindheit zwischen die Fronten des Bürgerkriegs im Stadtteil Barmbek. Und in späterer Zeit wird er Zeuge und auch Ziel verschiedener Formen der Gewalt auf der Straße, in der Hitlerjugend sowie der Wehrmacht. Als Mitglied der Marine-Hitlerjugend kommt er mehrere Male in die Nähe Hitlers und anderer Nazigrößen.

Ein besonderes Kapitel stellen einige Mitglieder der Familie dar. Nach ihrer Verfolgung durch die Nazis stehen sie als Protagonisten der ersten Stunde am Anfang der DDR. Ein nahe Verwandte erhält nach deren Ende eine sehr hohe Gefängnisstrafe.

Sehr ernst ist es dem Verfasser mit der Aufarbeitung der NS-Herrschaft nach dem Krieg, was eigene originale Texte und Gedichte aus jener Zeit belegen.

Erst jetzt kann der ehemalige Industriekaufmann sein „zweites Leben“ beginnen, indem er noch einmal die Schulbank drückt. Nach einem Studium der Erziehungswissenschaft bei Wilhelm Flitner und Eduard Spranger, zwei Klassikern ihrer Wissenschaft, erfüllt sich endlich sein dreißig Jahre alter Berufswunsch; er wird Lehrer, später Dozent und schließlich Professor.

Den Abschluss bilden philosophische Reflexionen über den Zustand der gegenwärtigen Gesellschaft, in welchen eine Tendenz zur Gedankenlosigkeit, Gleichgültigkeit und Verantwortungslosigkeit bemängelt wird. Dieses Buch könnte man durchaus als einen spezifischen „Bildungsroman“ des 20. Jahrhunderts bezeichnen.



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