Doktorarbeit: Das Kantorat in der Modernisierung der Stadtkultur

Das Kantorat in der Modernisierung der Stadtkultur

Eine musik- und bildungshistorische Studie am Beispiel niedersächsischer höherer Schulen zwischen 1750 und 1830

Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Hartmut Titze

Schriften zur Kulturgeschichte, Band 5

Hamburg 2008, 470 Seiten
ISBN 978-3-8300-3073-7

18. Jahrhundert, 19. Jahrhundert, Archivquellen, Ausbildung, Bildungsgeschichte, Braunschweig, Geschichtswissenschaft, Göttingen, Gymnasium, Hannover, Hannoverscher Staatskalender, Hildesheim, Historisch-empirische Bildungsforschung, Höhere Schule, Institutionsgeschichte, Kantorat, Kirchenmusik, Königreich Hannover, Konzert, Kulturwissenschaft, Kurfürstentum Hannover, Lateinschule, Lehrerseminar, Lüneburg, Modernisierung, Modernisierungstheorie, Musikgeschichte, Musikunterricht, Pädagogik, Professionalisierung, Stadtkultur

Zum Inhalt

Das Kantorat ist seit der Reformation bis ins 18. Jahrhundert hinein fest eingebettet in das musikalische Leben der protestantischen Städte. Die institutionelle Einbindung in Kirche und Schule beginnt sich allerdings im Zuge der Aufklärung und der zunehmenden Trennung von Kirche und (höherer) Schule zu lösen. Der Musikunterricht verliert im Vergleich zu den Natur- und Sprachwissenschaften an Bedeutung. Dieser Prozess hat tief greifende Folgen für den Kantor und sein Amt. In der Literatur wird er vielfach als „Verfall“ skizziert – doch wird dieser Begriff dem historischen Wandel gerecht? Die Untersuchung zeichnet differenzierte Verlagerungen und Umstrukturierungen nach. Es zeigt sich, dass viele Kantoren auf neue Bereiche des städtischen Musiklebens ausweichen – etwa den privaten Musikunterricht, die Musikpublizistik, den Musikalienhandel oder die Komposition; sie veranstalten öffentliche Konzerte oder leiten musikalische Vereinigungen.

Bislang sind vor allem Einzelfälle berühmter Kantoren überwiegend im mitteldeutschen Raum bekannt, bestes Beispiel ist der Leipziger Thomaskantor Johann Sebastian Bach. Kaum erforscht ist dagegen das musikalische Hinterland, sind die Regionen, in denen weniger namhafte Musiker als Kantoren tätig waren. Ebenso wenig untersucht ist der Kantor speziell als Lehrer an höheren Schulen. Damit füllt diese interdisziplinäre Studie über die niedersächsischen höheren Schulen eine Lücke in der Forschung zur Musik- und zur Bildungsgeschichte.

Die Untersuchung analysiert dabei speziell den Übergang von der hierarchisch-strukturierten Gemeinschaftsform zur modernen Gesellschaft; als sozialtheoretischer Hypothesenrahmen dient die Modernisierungstheorie von van der Loo und van Reijen. Besonders erhellend ist dabei die sowohl qualitative als auch quantitative Erschließung des Materials: Zahlreiche Primärquellen aus den Archiven in Hannover, Göttingen, Lüneburg, Braunschweig und Hildesheim werden ergänzt durch eine flächendeckende empirische Auswertung aller höheren Schulen im Kurfürstentum und späteren Königreich Hannover, basierend auf dem jährlich erschienenen „Hannoverschen Staatskalender“.



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