Doktorarbeit: Private Sicherheitsdienste in Präventionsgremien

Private Sicherheitsdienste in Präventionsgremien

Eine kriminologische Untersuchung

Schriften aus der Forschungsstelle Sicherheitsgewerbe (FORSI), Band 1

Hamburg 2007, 554 Seiten
ISBN 978-3-8300-3029-4 (Print/eBook)

Broken-Windows-Theorie, Gewaltmonopol, Kriminalitätsfurcht, Kriminalprävention, Kriminologie, Präventionsgremien, Rechtswissenschaft, Sicherheitsgewerbe, Sozialkontrolle

Zum Inhalt

Sören Braun beschäftigt sich aus kriminologischer Sicht mit dem viel diskutierten, aber bisher noch wenig untersuchten Engagement privater Sicherheitsdienste in kommunalen Präventionsgremien. Ausgehend von den rasanten Wachstumszahlen des Sicherheitsgewerbes und deren verstärkten Kooperationen mit Bund, Ländern und Gemeinden geht der Verfasser den Gründen, Chancen und Risiken dieser Entwicklung nach. Die Kriminalprävention im kooperativen Staat setzt in einem gesamtgesellschaftlichen Ansatz auf einen dem Strafrecht weit vorgelagerten Bereich, betont die Eigenverantwortung der Bürger und zielt auf die Nutzbarmachung gesellschaftlicher Ressourcen.

In der Studie wird das Ergebnis einer Befragung aller deutschen Gemeinden mit mehr als 50.000 Einwohnern zu Präventionsgremien dargestellt. Dabei wird ein umfassender Überblick über Institutionalisierung, Organisation, Themenbereiche, Ziele, Arbeitsgruppen, Projekte und Mitglieder der Präventionsgremien gegeben. Eine weitere Befragung der Mitgliedsunternehmen des Bundesverbandes Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen informiert über deren Tätigkeitsfelder sowie ihre Einstellung zur Krimimalprävention und einer Mitwirkung an kommunalen Präventionsgremien.

Aufbauend auf einer Interpretation der Ergebnisse wird erörtert, ob Sicherheitsunternehmen überhaupt Erfolg versprechend kriminalpräventiv wirken können und welche Risiken deren Einbindung in kommunale Präventionsgremien vor dem sich ändernden Sicherheits- und Präventionsverständnis birgt. Dabei diskutiert der Autor die immer unschärfer werdende Kriminalprävention, welche sich zunehmend auf Unordnungserscheinungen fokussiert und ihren Bezug zur „Kriminalität“ mehr und mehr verliert. Der Einfluss subjektiver Faktoren (wie Unsicherheitsgefühlen) auf die kriminalpräventive Praxis wird untersucht. Definitionsmacht und selektives Vorgehen der Gremien wie auch der privaten Sicherheitsdienste, die sich an den wirtschaftlichen Interessen ihrer Auftraggeber orientieren, werden beleuchtet. Die Annäherung privater Sicherheitsdienste an die Polizei, ihre Manifestierung im öffentlichen Raum durch Streifengänge, ihre Qualifikation, Aspekte der Kriminalitätsverlagerung sowie der Käuflichkeit von Sicherheit werden hinterfragt. Formelle und informelle Sozialkontrolle, Gefahrenabwehr, das Gewaltmonopol und das neue Präventionsverständnis werden diskutiert. Dabei birgt die Privatisierung des Präventionsbegriffes die Gefahr, dass private Individual-Interessen in den Präventionsgremien in einem vermeintlich gesamtgesellschaftlichen Ansatz salonfähig werden.



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