Doktorarbeit: Interindividuelle Differenzen in der Personenwahrnehmung

Interindividuelle Differenzen in der Personenwahrnehmung

Zur Rolle zentral-exekutiver Ressourcen bei der sozialen Eindrucksbildung

Schriften zur Sozialpsychologie, Band 11

Hamburg 2007, 220 Seiten
ISBN 978-3-8300-2813-0 (Print/eBook)

Interindividuelle Differenzen, Kognitive Ressourcen, Personenwahrnehmung, Psychologie, Soziale Eindrucksbildung, Soziale Informationsverarbeitung, Soziale Kognition

Zum Inhalt

In unserem Alltag klassifizieren und beurteilen wir andere Menschen oft
sehr schnell anhand weniger, stereotyper Merkmale. Obwohl sich der
erste Eindruck bei intensiverem Kontakt manchmal bestätigt, kann es
doch vorkommen, dass die wahrgenommene Person Verhaltensweisen
zeigt, die im Widerspruch zu diesem ersten Urteil stehen. Je nachdem,
wie wichtig der weitere Kontakt zu der Person für uns ist, sehen wir
uns veranlasst, diese erste Klassifizierung und die daraus resultierende
Personenbeurteilung zu überdenken und mit der neuen, scheinbar nicht
passenden Information in Einklang zu bringen. Diese Aufgabe wird aber
im Gegensatz zu der Bildung des ersten Eindrucks nicht automatisch
bewältigt, sondern sie stellt hohe Anforderungen an die menschliche
Informationsverarbeitung, vor allem, wenn der erste Eindruck besonders
veränderungsresistent’ (stereotypgeleitet) ist, oder wenn parallel noch
andere Aufgaben auszuführen sind.

Der Schwerpunkt der Studie liegt auf der Präzisierung jener kognitiven
Prozesse und Mechanismen, die an der sozialen Eindrucksbildung be-
teiligt sind, vor allem aber auf der weiteren Differenzierung der kogni-
tiven Ressourcen, die für die Revision des ersten Eindrucks erforderlich
sind. Dazu wurden Personen mit unterschiedlichen Arbeitsgedächtnis-
ressourcen mit Texten über Personen konfrontiert, die zunächst einem
Stereotyp zu entsprechen schienen, dann aber Verhalten zeigten, das
mit dem aktivierten Stereotyp nicht vereinbar war. In einigen experi-
mentellen Bedingungen erhielten die Leserinnen und Leser Informati-
onen, die ihnen halfen, diese Inkonsistenz aufzulösen. Die Ergebnisse
dreier Experimente zeigen, dass die individuelle Ausprägung vor allem
zentral-exekutiver Arbeitsgedächtnisressourcen bedeutenden Einfluss
auf die Fähigkeit zur Revision des ersten Eindrucks hat. Als methodisch
und theoretisch fruchtbar hat sich dabei die Strategie erwiesen, For-
schungsansätze zur sozialen Kognition und zum Textverstehen zusam-
menzuführen.



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