Dissertation: Trotzdem Erwachsen werden: Individuation und Identitätsentwicklung bei jungen Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes

Trotzdem Erwachsen werden: Individuation und Identitätsentwicklung bei jungen Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes

Studien zur Familienforschung, Band 20

Hamburg 2007, 514 Seiten
ISBN 978-3-8300-2800-0 (Print/eBook)

Diabetikerpersönlichkeit, Gesundheitspsychologie, Identitätsforschung, Identitätsstatus, Individuation, Junges Erwachsenenalter, Psychodiabetologie, Psychologie

Zum Inhalt

Beeinflusst eine chronische Erkrankung wie Typ-1-Diabetes die Identitätsentwicklung junger Erwachsener? Welchen Einfluss hat dabei die Familie? Und wie wirkt sich die Krankheit auf Partnerschaft, Karriere oder die generative Einstellung der Betroffenen aus?

In der Studie wurden zu diesen Fragen 89 junge Menschen – die Hälfte von ihnen Diabetiker – über zehn Jahre hinweg mehrmals untersucht. Eine Erhebung des Familienklimas bei den jugendlichen Studienteilnehmern und ihren Müttern erfolgte im Alter von 14 und 17 Jahren. Als die Probanden 24 Jahre alt waren, bearbeiteten sie ein umfangreiches Fragebogenpaket, das verschiedene Lebensräume thematisierte (Beziehungen zu den Eltern, Paarbeziehungen, Beruf/ Karriere, Generativität, Soziale Integration) und nahmen an einem Interview teil, das der Beurteilung des Identitätsstatus in den Bereichen Partnerschaft, Beruf sowie in Bezug auf religiöse und politische Weltbilder diente.

"Normaler als normal“ zu sein und eine große Sehnsucht nach Sicherheit waren für auffällig viele Kranke zentrale Themen bei der Konstruktion ihres Selbst- und Weltbildes. Vor allem junge Frauen mit Diabetes neigten im Umgang mit identitätsrelevanten Fragen dazu, auf normorientierte und von den Eltern übernommene Wertesysteme zurückzugreifen. Vergleichbar mit früheren Befunden fand sich ein charakteristisches, leistungsorientiertes Familienklima für Familien, die durch juvenilen Diabetes belastet waren. Ein solches Familienklima im Jugendalter konnte darüber hinaus das tiefe Bedürfnis junger Diabetiker „normal“ zu sein zum Teil vorhersagen. Junge, diabeteskranke Frauen schließlich waren in vielen Lebensbereichen – überraschenderweise – „zufriedener“ als ihre gesunden Peers.

Qualitative Ergebnisse zur Identitätsausformung ergänzen die gefundenen quantitativen Befunde. Ausführlich wird besprochen, wie eine individuationsfördernde familiäre Atmosphäre am Übergang zum Erwachsenenalter beschaffen sein sollte, welche speziellen Probleme bei chronischen Erkrankungen zu erwarten sind und in welcher Form psychologische Interventionen hilfreich sein können. Eine indianische Fabel, die das Thema Identitätsentwicklung auf allegorische Weise aufgreift, rundet die Studie ab.



Informationen über das Veröffentlichen wissenschaftlicher Arbeiten.

nach oben