Doktorarbeit: Tmesis als Phänomen der französischen Syntax

Tmesis als Phänomen der französischen Syntax

Studien zur Romanistik, Band 9

Hamburg 2006, 232 Seiten
ISBN 978-3-8300-2557-3 (Print/eBook)

Französisch, Grammatik, Interkalation, Literaturwissenschaft, Satzbau, Satzkonstruktion, Syntax, Tmesis, Wortstellung

Zum Inhalt

In der französischen Sprache sind immer wieder syntaktische Phänomene zu beobachten, die mit den herkömmlichen Beschreibungsmethoden der traditionellen Grammatiken kaum oder nur sehr schwer zu erfassen sind. Bestimmte Aspekte syntaktischen Geschehens lassen sich jedoch mit den altbekannten Analyse-Instrumenten zur Vor- und Nachstellung von Wörtern, mit der die meisten Grammatiken vornehmlich operieren, aufgrund ihrer eingeschränkten Möglichkeiten nicht umfassend und eindeutig erklären. So eröffnet sich mit der Tmesis-Syntax ein völlig neuer Ansatz, um ausgewählte Probleme der Wortstellung besser beschreiben und analysieren zu können als mit den bisher zur Verfügung stehenden grammatischen Methoden.

Der griechische Terminus Tmesis bedeutet in seiner wörtlichen Übersetzung „Aufspaltung“ oder „Zerschneidung“ und meint im ursprünglichen Sinne das Aufschneiden einzelner Wörter. Diese Art der Zerschneidung spielt in der heutigen französischen Sprache allerdings keine Rolle mehr, vielmehr geht es um das Auseinanderrücken eng zusammengehörender Satzteile durch das Dazwischenstellen von anderen Elementen. Unter dem Blickwinkel des „Aufschneidens“ von Syntagmen können mit Hilfe der Tmesis bisher nur schwer zu erfassende syntaktische Phänomene erkannt und Regeln unterworfen werden, die in erster Linie bei Interkalationen innerhalb zusammengesetzter Verben auftreten. So müssen beispielsweise einige Satzelemente zwischen Auxiliar und Partizip obligatorisch stehen, während andere von dieser Satzposition ausgeschlossen sind und manche fakultativ den Platz dort einnehmen dürfen. Ausgehend von der Tatsache, dass diese analytischen Verbformen des heutigen, modernen Französisch in ihrem lateinischen Ursprung einst synthetische Verbformen waren, die erst im Laufe der sprachgeschichtlichen Entwicklung ihre jetzige Formen angenommen haben, ist der Prozess des „Aufspaltens“ ein durchaus stimmiges Bild für dieses syntaktische Geschehen. Darüberhinaus wirft vor allem das Stellungsverhalten einiger Indefinita wie „rien“ und „tout“ für die Grammatiken Probleme auf, die mit den herkömmlichen Beschreibungswerkzeugen kaum in den Griff zu bekommen sind. Zahlreiche Beispiele aus Romanen und Tageszeitungen bilden die Basis für diese innovative Betrachtungsweise.

Die Tmesis-Syntax ist interessanterweise ein typologisches Merkmal des Französischen, denn keine andere romanische Sprache macht aufgrund ihres Satzbaus die Einführung einer solch speziellen Betrachtung erforderlich. Sie kann und will die traditionellen Grammatiken und ihre Beschreibungslehre nicht ersetzen, sondern sie sieht sich als Ergänzung zur Reihenfolgesyntax, welche üblicherweise die Wortstellung im Satz unter dem Gesichtspunkt der bipositionalen Abfolge von Elementen definiert. Die sich daraus ergebenden Strukturdifferenzen zum Deutschen lassen sich effektiver mittels dieser neuen Syntax verstehen und klassifizieren.

Kontakt



Informationen über das Veröffentlichen wissenschaftlicher Arbeiten.

nach oben