Dissertation: Wenn der Rücken schmerzt - Schmerztherapie mit komplementären Pflegemethoden

Wenn der Rücken schmerzt - Schmerztherapie mit komplementären Pflegemethoden

Klinische Beobachtungsstudie zu Erleben und Verlauf von Rückenschmerzen

Schriften zur Pflegewissenschaft, Band 3

Hamburg 2006, 188 Seiten
ISBN 978-3-8300-2416-3 (Print/eBook)

Äußere Anwendungen, Gesundheitswissenschaft, Klinische Beobachtungsstudie, Komplementäre Pflegemethoden, Pflegewissenschaft, Rückenschmerzen, Schmerzmanagement, Schmerztherapie, Versorgungsforschung

Zum Inhalt

In Deutschland gelten Rückenschmerzen als Volkskrankheit Nummer eins mit erheblichen Auswirkungen auf das physische, psychische und soziale Wohlbefinden der Betroffenen. Mit jährlichen Ausgaben von ca. 25 Milliarden € stellen Rückenschmerzen einen relevanten Kostenfaktor im Gesundheitswesen dar.

Zur Behandlung von Rückenschmerzen sind umfassende Therapieansätze notwendig, die die verschiedenen Dimensionen dieses komplexen Problems ansprechen sollten. Das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke bietet ein komplementäres ca. dreiwöchiges Therapiekonzept zur Behandlung von Patienten mit akuten und chronischen Rückenschmerzen an. Es beinhaltet neben medikamentöser und physiotherapeutischer Behandlung die pflegerischen Äußeren Anwendungen Lavendelbad und Arnika-Auflage. Bisher liegen kaum empirische Daten zu dieser Therapie vor.
Ziele der Studie sind daher:

  • Beschreibung der Schmerzintensität der Rückenschmerzen im Verlauf der stationären Therapie sowie in der poststationären Phase
  • Beschreibung der Schmerzintensität der Rückenschmerzen vor und nach den Äußeren Anwendungen Lavendelbad und Arnika-Auflage
  • Exploration des Erlebens der Äußeren Anwendungen
  • Beurteilung des Therapiekonzeptes aus Sicht der Patienten

Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurde eine prospektive Beobachtungsstudie im Case-Study-Design durchgeführt. Die Datenerhebung in der stationären Phase erfolgte über 8 Monate (Juni 2002-Februar 2003). Die Follow-up Erhebung wurde 2 Monate nach der Entlassung durchgeführt. Die Datenerhebung erfolgte per Fragebogen und Interview. Zur Messung der Schmerzintensität und des Wohlbefindens wurde eine Visuelle Analog Skala eingesetzt (VAS 0-10). Die Analyse der quantitativen Daten erfolgte überwiegend mittels deskriptiver Statistik, vereinzelt kamen interferenzstatistische Auswertungen zum Einsatz. Das Signifikanzniveau wurde auf 5% festgelegt. Die qualitative Datenanalyse wurde mittels Inhaltsanalyse nach Burnard (1991) durchgeführt.

In einer Gelegenheitsstichprobe wurden 17 Patienten (9 Frauen, 8 Männer) im Alter von 26-75 Jahren untersucht. 65% der Studienteilnehmer litten an akuten Rückenschmerzen, deren überwiegende Ursache in einem lumbalen Diskusprolaps bestand. Aus den Studienergebnissen lässt sich tendenziell eine auffällige Verringerung der Schmerzintensität im Therapieverlauf und im Follow-up ableiten. Der Ausgangswert der Schmerzintensität, gemessen mit der VAS 0-10, reduzierte sich vom Aufnahmetag von 8,7 (KI: 8,1-9,4) bis zum Entlassungstag auf 1,9 (KI: 1,3-2,5). Die Schmerzintensität lag zwei Monate nach der Entlassung bei der Follow-up Erhebung bei 1,4 (KI: 0,5-2,3) (T-Test: t=-2,88; df=152; p=0,004).

Ebenso sind tendenziell schmerzlindernde Effekte durch die Äußeren Anwendungen Lavendelbad und Arnika-Auflage zu verzeichnen. Der Verlauf der Schmerzintensität variiert vor und nach den äußeren Anwendungen individuell unterschiedlich. Die hohe Wiederwahlrate (14/17) spricht für die deutliche Akzeptanz des Therapiekonzepts unter den Studienteilnehmern. Die gesamte Therapie wird bei der Entlassung durchschnittlich mit einer Note von 1,7 und bei der Follow-up Erhebung mit 1,9 bewertet. Die Studienteilnehmer beschrieben das Erleben der Äußeren Anwendungen insbesondere mit Phänomenen wie Wärme, Entspannung, Ruhe und personenzentrierte Zuwendung und werteten dies als positive Unterstützung des Genesungsprozesses. Dieses Ergebnis wird durch die positive Beurteilung der Äußeren Anwendungen mit einer durchschnittlichen Note von 1,6. unterstrichen.

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