Doktorarbeit: Die Auswirkungen des Selbstkonstrukts auf die Beurteilung eigener Leistungen

Die Auswirkungen des Selbstkonstrukts auf die Beurteilung eigener Leistungen

Schriften zur Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie, Band 22

Hamburg 2006, 470 Seiten
ISBN 978-3-8300-2293-0 (Print/eBook)

Arbeitspsychologie, Independentes Selbstkonstrukt, Interdependentes Selbstkonstrukt, Leistungsbeurteilung, Psychologie, Selbstbeurteilung, Selbsterhöhung, Sozialpsychologie, Verzerrung

Zum Inhalt

Entgegen der Annahme vieler westlicher Forscher, dass die Motivation zu einer positiven Sicht des Selbst und zur Selbsterhöhung in der Natur des Menschen liegen, konnte in der Vergangenheit gezeigt werden, dass diese Motivation zur Selbsterhöhung nicht überall anzutreffen ist. Es wurden deutliche kulturelle Unterschiede in der Tendenz zur Selbsterhöhung gezeigt. Es wurde festgestellt, dass Personen aus westlichen Kulturen (z.B. USA) zur Selbsterhöhung neigen, während Personen aus östlichen Kulturen (z.B. Japan) zur Selbstkritik bzw. Selbstverbesserung tendieren. Worauf sind diese Unterschiede zurückzuführen? Gibt es individual-psychologische Ursachen für diese kulturellen Unterschiede, d.h. ist das Selbstkonstrukt der sich selbst beurteilenden Person auch innerhalb einer Kultur für Unterschiede in der Neigung zur Selbsterhöhung verantwortlich?

Das Buch befasst sich mit den individual-psychologischen Grundlagen von kulturellen Unterschieden in der Neigung zur Selbsterhöhung. Es wird erstmals untersucht, ob auch innerhalb einer einzelnen Kultur (hier: westliche Kultur) interindividuelle Unterschiede in der Neigung zur Selbsterhöhung beruflicher Leistungen durch das Selbstkonstrukt erklärt werden können. Es wird angenommen, dass Personen, die sich selbst als getrennt vom sozialen Kontext definieren, d.h. Personen mit einem independenten Selbstkonstrukt, ihre eigene Leistung milder einschätzen als Personen mit einem interdependenten Selbstkonstrukt, die sich selbst als eng verbunden mit ihrem sozialen Kontext definieren. Erweiternd zur bisherigen Forschung wird von einer horizontalen und vertikalen Subdimension der Independenz und Interdependenz ausgegangen.

Im empirischen Teil der Studie wird zunächst eine verbesserte, vierdimensionale Selbstkonstruktskala entwickelt und getestet, da die Qualität der am weitesten verbreiteten Skalen in der bisherigen Forschung als kritisch bewertet wurde. Die zentralen Annahmen über den Einfluss des Selbstkonstrukts auf die Tendenz zur Erhöhung eigener Leistungen werden anschließend anhand von drei Studien in verschiedenen Kontexten überprüft. Die Ergebnisdarstellung wird durch eine kritische Diskussion und Implikationen für Praxis und Forschung abgerundet.

Insgesamt liefert die Autorin einen umfassenden und systematischen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu Verzerrungen in Selbsteinschätzungen, kulturellen Unterschieden in der Neigung zur Selbsterhöhung und individualpsychologischen Erklärungsansätzen für die festgestellten Unterschiede. Sie brachte eine verbesserte Selbstkonstrukt-Skala hervor, die neben dem independenten und interdependenten Selbstkonstrukt auch vertikale und horizontale Subdimensionen erfasst. Das Selbstkonstrukt erwies sich als eine wichtige Ursache für Verzerrungen in Selbsteinschätzungen beruflicher Leistungen.



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