Dissertation: Sprachbewusstheit und Aphasie

Sprachbewusstheit und Aphasie

Eine Untersuchung metasprachlicher Fähigkeiten

PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 79

Hamburg 2005, 550 Seiten
ISBN 978-3-8300-2170-4 (Print/eBook)

aphasia, Aphasie, metalinguistic awareness, Metasprache, Patholinguistik, Psycholinguistik, Sprachbewusstheit, Sprachstörung, Sprachwissenschaft

Zum Inhalt

In der alltäglichen Kommunikation richten wir unsere Aufmerksamkeit vor allem auf den Inhalt von dem, was wir sagen oder hören. Solange wir verstehen, was ein Gesprächspartner uns mitteilen will, überhören wir kleinere Formfehler und Regelbrüche. Wir nehmen sie meist erst bewusst wahr, wenn es zu Schwierigkeiten in der Kommunikation kommt und dadurch unsere Aufmerksamkeit weg vom Inhalt, hin zur Form von Sprache gelenkt wird – ein Prozess, der auf „Sprachbewusstheit“ basiert. Obwohl Schwierigkeiten in der Kommunikation nun gerade bei Menschen mit der zentralen, erworbenen Sprachstörung „Aphasie“ sehr häufig vorkommen, wissen wir bislang noch sehr wenig über die Sprachbewusstheit von Aphasikern. Sind Aphasiker trotz ihrer sprachlichen Beeinträchtigungen in der Lage, ihre Sprache zu reflektieren und über ihre Sprache zu sprechen? Bemerken sie genauso wie ihr Gesprächspartner, dass ihre sprachlichen Äusserungen von der Norm abweichen, oder sind gemeinsam mit den sprachlichen auch die metasprachlichen Fähigkeiten „aphasisch“?

Angeregt durch Hughlings Jacksons, Kurt Goldsteins und Roman Jakobsons frühe Schriften wird in diesem Buch der Zusammenhang von Sprachbewusstheit und Aphasie beleuchtet. Ausgangspunkt ist eine Bestimmung des facettenreichen Phänomens „Sprachbewusstheit“ und sein Ursprung in Sprache und Bewusstsein aus psycholinguistischer Sicht. Ein Überblick über die bislang vorhandenen Studien zeigt, dass eine Wissenslücke über die metasprachlichen Fähigkeiten von Aphasikern besteht – eine Lücke, die dieses Buch verkleinern möchte: In einer klinischen Studie wird die Sprachbewusstheit von Aphasikern verschiedener Syndrome mit metasprachlichen Aufgabestellungen und mit einem Interview erfasst. So kann die Sprachbewusstheit in Bezug zur Qualität und Quantität der Sprachstörung gesetzt werden. Die metasprachlichen Fähigkeiten der Aphasiker werden mit denen gesunder Sprecher verglichen.

Die Analyse der Daten zeigt unter anderem, dass weder der Schweregrad noch das Syndrom einer Aphasie eindeutige Rückschlüsse auf die metasprachlichen Fähigkeiten erlauben. Wichtig ist auch das Ergebnis, dass die untersuchten Aphasiker überraschend gut in der Lage sind, ihre eigenen sprachlichen Äusserungen zu reflektieren und über ihre Sprache zu sprechen. Sprachbewusstheit sollte deshalb in der Diagnostik und Therapie von Aphasikern künftig eine grössere Rolle spielen.



Informationen über das Veröffentlichen wissenschaftlicher Arbeiten.

nach oben