Forschungsarbeit: Religion als „Projektion menschlicher Sinnhaftigkeit in die öde Leere des Universums“

Religion als „Projektion menschlicher Sinnhaftigkeit in die öde Leere des Universums“

Die Religionskritik Feuerbachs im Kontext der Neuzeit

THEOS – Studienreihe Theologische Forschungsergebnisse, Band 67

Hamburg 2005, 228 Seiten
ISBN 978-3-8300-2033-2 (Print/eBook)

Atheismus, Bayle, Cherbury, Comte, Descartes, Fichte, Goethe, Gottesfrage, Hegel, Kant, Lessing, Ludwig Feuerbach, Pascal, Philosophie, Projektionstheorie, Reimarus, Religionskritik, Schleiermacher, Schopenhauer, Strauß, Theologie, Theologiegeschichte, Toland, Voltaire

Zum Inhalt

Seit Feuerbach kommt die Theologie nicht mehr an der Frage vorbei, ob der Inhalt des christlichen Glaubens vielleicht nichts anderes als Wunschdenken und Illusion sei, ob der Mensch nicht sein Wesen nur auf einen Gott projiziere, dessen er zur Bewältigung seines Lebens bedarf, dessen er bedarf, um Sinn in diese Welt zu bringen.
Feuerbach ist die zentrale Gestalt der neuzeitlichen Religionskritik. Mit ihm hielt man die Religionskritik für beendet. Marx, Freud und Nietzsche versuchten in ihrer jeweiligen Intention Feuerbachs Projektionstheorie anzuwenden. Doch im Hauptteil des Buches sollen Feuerbachs Gedanken nicht nur hinsichtlich ihres Einflusses auf atheistische, marxistische oder nihilistische Weltanschauungen betrachtet werden. Wo man Feuerbach auf seine Wirkungsgeschichte reduziert, wird man ihm nicht gerecht. Demnach sind vor allem seine eigenen Intentionen, die Ableitung Gottes aus dem Wesen des Menschen und die Reduktion der Theologie auf die Anthropologie Gegenstand dieser Abhandlung. Dort, wo Philosophie wie Theologie bei der Deutung des Phänomens „Gott“ Feuerbachs Meinung nach versagt hatten, entwarf er mithilfe seiner Projektionstheorie eine aufschlussreiche Erklärung, als deren Konsequenz er die Theologie in die Anthropologie umformte.

Da kritische Stimmen gegen Religion nicht im geschichtslosen, gesellschaftsfreien Raum entstehen, ist zuvor der Blick auf die historischen Hintergründe und die Voraussetzungen neuzeitlicher Religionskritik von Bedeutung. Die Gedanken Feuerbachs werden von der Autorin in den Kontext der Religionsphilosophie/-literatur und der neuzeitlichen Religionskritik des 17.-19. Jahrhunderts (u.a. Descartes, Pascal, Bayle, Toland, Cherbury, Voltaire, Reimarus, Strauß, Kant, Lessing, Goethe, Fichte, Schleiermacher, Hegel, Comte, Schopenhauer) eingeordnet.
Die liberalen und orthodoxen Reaktionen des Protestantismus und die „Wagenburgmentalität“ des ultramontanen Katholizismus auf den Modernismus des 19. Jahrhunderts werden im Anschluss an Feuerbachs Philosophie dargestellt und hinsichtlich ihrer Angemessenheit problematisiert.
Nachdem das Christentum in unserer heutigen pluralen Gesellschaft nur die Stellung einer Weltanschauung unter vielen einnimmt, ist es notwendig, sich ferner der Frage zu unterziehen, was Religion eigentlich ist, was sie will und kann. Das Wesen, den Sinn und die Absicht von Religion gilt es abschließend – versuchsweise – zu definieren und zu deuten.

Der Wandel, dem sich die Religion in der Neuzeit zu unterziehen hatte, kann im Spiegel von Literatur und Kunst anschaulich werden. So sind im Anhang zum einen bedeutende Texte neuzeitlicher Schriftsteller, Dichter und Philosophen in Auszügen abgedruckt, zum anderen werden in einem Exkurs einige Beispiele von Gottesbildern betrachtet.



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