Forschungsarbeit: Konstellationen von Mythos und Erzählen in Thomas Manns Josephs-Romanen

Konstellationen von Mythos und Erzählen in Thomas Manns Josephs-Romanen

Unter besonderer Berücksichtigung der Figur des Jaakob

Studien zur Germanistik, Band 15

Hamburg 2005, 168 Seiten
ISBN 978-3-8300-2004-2 (Print/eBook)

Erzählen, Joseph und seine Brüder, Literaturwissenschaft, Mimesis, Mythos, Thomas Mann, Überlieferung, Wiederholung, Zeitlosigkeit

Zum Inhalt

Fest der Erzählung, du bist des Lebensgeheimnisses Feierkleid, denn du stellst Zeitlosigkeit her für des Volkes Sinne und beschwörst den Mythus, daß er sich abspiele in genauer Gegenwart!

Bereits im Vorspiel zu den Josephs-Romanen werden mit diesem Satz Mythos und Erzählen zueinander in Beziehung gesetzt: Die Erzählung inszeniert den Mythos wie ein Schauspiel für ihr Publikum, das Volk. Sie vergegenwärtigt das Geschehen, von dem der Mythos erzählt, wiederholt also das Vergangene in der Gegenwart und vermittelt so den Zuhörern eine Erfahrung der Zeitlosigkeit. Damit wird der Mythos aktualisiert und zu einer Form der Weltwahrnehmung und -erfahrung erklärt. Das Vorspiel spricht jedoch auch Differenzen zwischen Mythos und Erzählen an: Erzählen ist eine rastlose Wanderung und steht damit gerade im Widerspruch zu der Erfahrung der Zeitlosigkeit, die es mit der Inszenierung des Mythos vermitteln soll. Den Konstellationen, in die Mythos und Erzählen auf solche Weise gestellt werden, geht dieses Buch nach.

Zunächst werden – methodisch an Paul Ricœur orientiert – Mythoskonzeptionen, Erzählmodelle und -strukturen auf Erzählebene und erzählter Ebene untersucht. Den Ergebnissen der Textarbeit wird dann die Auseinandersetzung Thomas Manns mit dem Mythos in Essays und Reden gegenübergestellt. Im Schlussteil erfolgt ein Blickwechsel: Thomas Mann hat die Josephs-Romane wiederholt in den Kontext einer dem Nationalsozialismus entgegengesetzten „Humanisierung des Mythos“ gestellt. Unter Hinzuziehung poststrukturalistischer Überlegungen zum Mythos und seinem Verhältnis zu Faschismus und Totalitarismus wird untersucht, wodurch und inwieweit durch die Josephs-Romane mit ihrer spezifischen Form der Verknüpfung von Mythos und Erzählen tatsächlich zu einer „Humanisierung des Mythos“ beitragen.



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