Dissertation: Zwischen Wilson und Lenin: Die Anfänge der globalen Blockbildung in den Jahren 1917-1919

Zwischen Wilson und Lenin: Die Anfänge der globalen Blockbildung in den Jahren 1917-1919

Dargestellt am Beispiel des amerikanischen Diplomaten William Christian Bullitt

Studien zur Zeitgeschichte, Band 45

Hamburg 2005, 384 Seiten
ISBN 978-3-8300-1926-8

Amerikanisch-russische Beziehungen, Amerikanische Außenpolitik, Erster Weltkrieg, Geschichtswissenschaft, USA, Versailler Vertrag, Völkerbund, Zeitgeschichte

Zum Inhalt

Es waren Epochenjahre 1917 – 1919. Die Welt befand sich in einem gewaltigen Umbruch, dessen Nachbeben bis heute spürbar sind: Während sich die europäischen Staaten in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs gegenseitig zerfleischten, begann der Aufstieg jener außereuropäischen Mächte, deren ideologischer Gegensatz fast das gesamte 20. Jahrhundert prägen sollte – die USA und das revolutionäre Russland betraten 1917 mit Nachdruck die internationale Bühne. Wilson und Lenin, das waren die charismatischen Führer, die sich mit gleichsam missionarischem Anspruch anschickten, die Welt nach ihrem Bild neu zu ordnen. Ihren sichtbaren Ausdruck sollte diese neue Ordnung nach dem Willen des amerikanischen Präsidenten im Friedenswerk von Paris 1919 finden. Und doch eröffnete dieses Friedenswerk „a new century of war“, wie der junge amerikanische Diplomat William Christian Bullitt am 17. Mai 1919 an seinen Präsidenten schrieb – eine Einschätzung, die bekanntlich noch in der unmittelbaren Gegenwart ihre traurige Bestätigung findet.

Der globale Kampf der Systeme zwischen dem amerikanischen und dem sowjetischen Modell, der in jenen Jahren seinen Anfang nahm, bestimmte auch bereits maßgeblich Verlauf und Ergebnis der Friedenskonferenz von Paris. Doch war die Konfrontation unausweichlich – oder gab es Alternativen? In dieser Studie wird ein Versuch dargestellt, zwischen den beiden konkurrierenden Gesellschaftsentwürfen zu vermitteln. Der idealistische Amerikaner William C. Bullitt war überzeugt davon, dass es möglich sein müsse, den russischen Sozialismus im Rahmen einer weltumgreifenden liberalen Internationale in das westliche Modell zu integrieren. Als diplomatischer Quereinsteiger mit ungewöhnlichen Fähigkeiten und Kenntnissen begann er im Jahre 1917 seinen Dienst als Mitteleuropaexperte in der Wilson-Administration. Angesichts der dramatischen Ereignisse in Russland, die er frühzeitig in ihrer Tragweite erkannte, versuchte er bereits unmittelbar nach der Oktoberrevolution Einfluss auf die Formulierung des amerikanischen Friedensprogramms zu nehmen und Präsident Wilson zu überzeugen, dass nur ein liberaler und gerechter Frieden die Welt sicher machen könne für die Demokratie. Vorbehaltlose Unterstützung, die Wilson auf der Friedenskonferenz dringend nötig haben werde, könne Wilson, dessen war Bullitt sich sicher, nur von sozialdemokratischer und liberaler Seite erwarten. In dieser Überzeugung fand sich William Bullitt bestätigt, nachdem er die heute weitgehend in Vergessenheit geratene Sozialistenkonferenz von Bern 1919 besucht hatte. Sein Hauptanliegen blieb jedoch die Verständigung mit Russland. Als Mitglied der amerikanischen Friedensdelegation in Paris begab er sich im März 1919 in halboffiziellem Auftrag auf eine Informationsreise nach Russland. Von seiner „Mission to Russia“ brachte er einen von Lenin autorisierten sowjetischen Vorschlag nach Paris mit, der die Grundlage bilden sollte für das Ende der alliierten Intervention in Russland. Warum dieser Versuch einer friedlichen Annäherung scheiterte und in einem ersten „Kalten Krieg“ mündete, wird in dem Buch dargestellt. Die Absage der westlichen Siegermächte an eine friedliche Koexistenz mit dem revolutionären Russland hatte weitreichende Auswirkungen auf die Gestaltung des Friedensvertrages mit Deutschland. So kann nicht zuletzt die Ablehnung des Versailler Vertrages in den Vereinigten Staaten und die damit verbundene Nichtratifizierung der Völkerbundakte in einer neuen und aufschlussreichen Perspektive gesehen werden.



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