Dissertation: Vom letzten Preußen zum deutschen Kaiser

Vom letzten Preußen zum deutschen Kaiser

Das Bild der Hohenzollernkaiser in Tagebüchern und Berichten ihrer Zeitgenossen

Studien zur Geschichtsforschung der Neuzeit, Band 40

Hamburg 2004, 312 Seiten
ISBN 978-3-8300-1638-0

Deutscher Kaiser, Deutsches Kaiserreich, Geschichtswissenschaft, Gottesgnadentum, Hohenzollern, Königsberger Krönungen, Preußen, Wilhelminismus

Zum Inhalt

Am 18. Januar 1871 tauscht Wilhelm I., König von Preußen, seine königliche Würde gegen die kaiserliche. Mit diesem Ereignis gewinnt die Geschichte der Hohenzollern eine neue Qualität: Sie werden Kaiser des Deutschen Reiches. Dass sie auch als Menschen für die Personen ihrer Umgebung interessant waren, beweisen die zahlreichen Tagebücher ihrer Zeitgenossen, in denen die drei Hohenzollernkaiser Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. mit Lob und Kritik dargestellt werden.

Wilhelm I. hängt bis zu seinem Tode am Preußentum. Die monarchistische Idee, die Bevorzugung des Junkertums und eine große Leidenschaft für das Heer kennzeichnen seine Anschauungen. Nicht weniger bekannt ist auch seine Jugendliebe zu der polnischen Prinzessin Elisa Radziwill sowie die Tatsache, dass er während der Märzrevolution von 1848 als Kartätschenprinz bei den Deutschen verhasst ist. Sein liberaler Sohn, Friedrich III., sieht die Notwendigkeit der Gründung des Deutschen Reiches ein, doch gleichzeitig schwebt ihm das Ideal eines mittelalterlichen Kaisertums vor. Er steht völlig unter dem Einfluss seiner Frau, der Tochter der englischen Queen Victoria, und wird in Hofkreisen Pantoffelheld genannt. Wegen seiner unheilbaren Krankheit wird er an der Umsetzung seiner idealen Herrschafts- und Staatsform gehindert. Erst der dem Großvater und Vater folgende Wilhelm II. vermag es, der erste im eigentlichen Sinne des Wortes deutsche Kaiser zu sein. Der junge Monarch ist von einem Drang nach Größe und einem Hang nach Pracht und Prunk beseelt. Er bemüht sich, in allen Lebensbereichen aktiv zu sein, und da er auch summus episcopus der evangelischen Kirche ist, hält er sogar Gottesdienste ab. Doch das persönliche Regiment Wilhelms II. und seine übermütigen Eingriffe in die Politik führen zu irreparablen politischen Schäden.

Die Arbeit Vom letzten Preußen zum deutschen Kaiser ist der erste Versuch einer kulturgeschichtlichen Darstellung der Hohenzollernkaiser. Sie unterscheidet sich von allen bisher erschienenen Werken über die Hohenzollern dadurch, dass die drei Kaiser Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. nicht getrennt nacheinander und in zeitlicher Reihenfolge dargestellt werden. Die Arbeit hat nicht das Ziel, eine chronologische Schilderung der kaiserlichen Lebensläufe darzubieten, obwohl man den Kaisern sowohl bei ihrer Geburt als auch bei Ihrer Bestattung begegnet. Vielmehr werden sie in acht Kapiteln unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet: Kindheit und Vorbilder; Der Sonnenkaiser; Herrscher von Gottes Gnaden – Vom letzten Preußen zum deutschen Kaiser; Anzustrebendes Ideal oder Sündenbock – Der Kaiser als Objekt des Lobes und der Kritik; Lebensrhythmus und Lebensmethode des Kaisers; Der Kaiser als Akteur, Anreger und Veranstalter öffentlichen Lebens; Des Kaisers letzter Weg. Ergänzt wird das Bild der Hohenzollernkaiser durch kurze Charakterisierungen der drei deutschen Kaiserinnen – Die Frau an des Kaisers Seite hatte einen großen Einfluss darauf, wie der Monarch von seiner nächsten Umgebung und dem ganzen deutschen Volk beurteilt wurde.

Das Bild der Kaiser, das in der Arbeit herausgearbeitet wird, wird anhand von Tagebüchern und anderen Berichten von Zeitgenossen rekonstruiert. Dadurch gewinnt es gleichzeitig sowohl an Authentizität als auch an Lebendigkeit. Die zitierten Textpassagen der Zeitgenossen bringen die Emotionen ihrer Autoren zum Ausdruck und lassen auch den heutigen Leser nicht gleichgültig auf die Hohenzollernkaiser blicken.



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