Dissertation: Riskanter Suchtmittelkonsum bei Jugendlichen

Riskanter Suchtmittelkonsum bei Jugendlichen

Entstehungszusammenhänge, Möglichkeiten der Identifizierung und Prävention

Forschungsergebnisse zur Suchtprävention, Band 3

Hamburg 2005, 326 Seiten
ISBN 978-3-8300-1620-5 (Print/eBook)

Alkohol, Drogen, Früherkennung, Gesundheitswissenschaft, Jugendliche, Medizin, Sekundärprävention, Soziologie, Sucht, Suchtprävention

Zum Inhalt

Legaler und illegaler Drogenkonsum gewinnt in der aktuellen öffentlichen Diskussion zunehmend an Bedeutung. Dabei stehen nicht mehr ausschließlich „harte Drogen“ oder „Drogentote“ im Fokus, sondern vielmehr die sich verändernden Konsum- und Verbreitungsmuster, die sich im Spektrum des Alkohols, des Nikotins und der so genannten „weichen“ illegalen Drogen entwickeln.

Das Buch leistet einen Beitrag zur Beschreibung und Fortführung von Theorie und Strategien der Suchtprävention bei konsumierenden Jugendlichen. Die Diskussion wird an der Schnittstelle von sozialwissenschaftlicher Analyse, medizinischer Perspektive und den Theorien und Konzepten der Sozialen Arbeit geführt. Dabei bilden die Möglichkeiten der Früherkennung und darauf folgende Interventionen einen Schwerpunkt.

Mit der Validierung des Kurzfragebogen RAFFT liegt ein Instrument vor, das riskanten, missbräuchlichen und abhängigen Substanzkonsum bei Jugendlichen identifiziert. Der RAFFT wurde in den USA entwickelt und es handelt sich um den ersten Kurzfragebogen, der in Deutschland für Jugendliche aus der Normalpopulation getestet wurde. Darüber hinaus wurden Zusammenhänge zwischen Testergebnissen, sozialstrukturellen Faktoren und spezifischen mentalen Orientierungen herausgearbeitet.

Jedoch handelt es sich bei „riskantem Konsum“, „Missbrauch“ oder „Sucht“ nicht um ausschließlich objektive Phänomene, die einfach nur entdeckt werden müssten. Riskantem Konsum, Missbrauch und Sucht – und auch ihren Gegenstücken, der Gesundheit bzw. Normalität – liegen soziale und gesellschaftliche Definitions- und Aushandlungsprozesse zu Grunde. Hinter diesen sind nicht selten Hegemoniebestrebungen oder auch ganz handfeste wirtschaftliche Interessen aktiv, die wiederum erheblichen Einfluss auf die Leitbilder, Konzepte und Praxisstrategien der Suchtprävention ausüben.

Vor diesem Hintergrund werden die Studienergebnisse in einen breiten sozialwissenschaftlichen Erklärungshorizont eingebettet. Dabei wurden zwei Zugänge gewählt: Zum einen werden suchtpräventive Konzepte in die allgemeinen bzw. spartenübergreifenden Ansätze gesundheitssichernder Aktivitäten eingeordnet und dahingehend analysiert, von welchen Gesundheits- und Normalitätsvorstellungen die jeweiligen Ansätze getragen sind, welche gesellschaftlichen Kräfte und Interessen sich hinter ihnen verbergen und mit welchen Konsequenzen für das Individuum, soziale Gruppen und die Gesellschaft gerechnet werden muss. Zum anderen werden die zentralen Theorien der psychologischen und soziologischen Wissenschaftstradition zur Erklärung von Suchtentwicklungen dargestellt und diskutiert. Im Rahmen der soziologischen Ansätze erweisen sich insbesondere die Überlegungen als aussagekräftig, die die sich aktuell entwickelnden Konsum- und Verbreitungsformen zu den gesellschaftlichen Wandlungsprozessen einer entfalteten Konsum- und Erlebnisgesellschaft in Beziehung setzen. Ein Verständnis der neuen Konsumformen als erlebnisorientierte Praktiken der Postmoderne weist dabei auf eine Normalisierung und Entpathologisierung jugendlichen Substanzkonsums. Jedoch zeigt sich auch, dass Verhaltenweisen, die über weite Strecken als normativ gelten und sich als soziofunktional erweisen, nicht zugleich der psychischen und somatischen Gesundheit zuträglich sein müssen. Die Frage nach Früherkennung und Frühintervention stellt sich unter dieser Perspektive mit einer neuen Relevanz und Dringlichkeit.

In den abschließenden Schlussfolgerungen werden die Chancen und Grenzen der sekundären Suchtprävention bei Jugendlichen – insbesondere unter Einbeziehung von im weiteren Sinne diagnostischen Instrumenten – aufgezeigt und in den aktuellen Ansätzen der Suchtprävention verortet.



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