Habilitation: Zur kognitiven und sozial-emotionalen Entwicklung körperbehinderter Kinder

Zur kognitiven und sozial-emotionalen Entwicklung körperbehinderter Kinder

Eine Entwicklungsverlaufskontrolle

Studien zur Kindheits- und Jugendforschung, Band 27

Hamburg 2003, 288 Seiten
ISBN 978-3-8300-1013-5

Kindheitsentwicklung, Körperbehinderung, Kognitive Entwicklung, Psychologie, Rehabilitationspädagogik, Risikofaktoren, Soziale Kompetenz

Zum Inhalt

Aus den Perspektiven von Psychologie, Pädagogik und insbesondere der Sonderpädagogik ist noch immer ein Mangel an empirisch seriösen Erkenntnissen zur Entwicklung von Kindern und Heranwachsenden zu konstatieren.

Ursachen hierfür liegen in den prinzipiellen Schwierigkeiten, Längsschnittuntersuchungen über längere Zeiträume durchzuführen. Die organisatorischen und methodischen Schwierigkeiten kollidieren regelhaft mit dem Wunsch nach zuverlässigen Prognosen individueller Entwicklung. Dieser Wunsch wird umso mehr praktisch und theoretisch bedeutsam, je differenter die Entwicklungsbedingungen sind, wie bei Kindern mit Behinderungen, und sich beispielsweise Fragen adäquater sonderpädagogischer Förderung bei spezifischen Entwicklungsressourcen stellen.

Das vorliegende Buch widmet sich mit einer elaborierten Längsschnittuntersuchung der Darstellung von Ähnlichkeit und Verschiedenheit von Entwicklungsverläufen körperbehinderter und nicht behinderter Kinder. Nach den vorliegenden Untersuchungsergebnissen waren körperbehinderte Kleinkinder und Jugendliche gegenüber ihren nicht behinderten Altersgefährten in einem wesentlich höheren Maße biologischen Entwicklungsrisiken ausgesetzt, wohingegen sich in der Belastung mit psychosozialen Risiken keine Unterschiede zeigten. Insbesondere aber wurde deutlich, dass herkömmliche und die einzelnen Risikofaktoren nicht gewichtende Darstellungsmodi eher ungeeignet sind, Spezifika der Risikobelastung oder Belastungsveränderungen in der Zeit valide zu kennzeichnen. Hinsichtlich der Ähnlichkeit individueller Risikovernetzungen konnten stichprobenspezifische Netzstrukturen dargestellt werden, welche die Annahme behinderungsbedingter familiärer Transformationsprozesse stützen. Weder bei den körperbehinderten noch bei den nicht behinderten Kindern fanden sich die Intelligenzentwicklung hemmende Einflüsse erhöhter Risikobelastung. Eine relative Bedeutungszunahme psychosozialer gegenüber biologischen Entwicklungsrisiken im Entwicklungsverlauf konnte nicht bestätigt werden.

Weitere Untersuchungsergebnisse legen nahe, dass evasive Daseinstechniken das Leben und Erleben körperbehinderten Jugendlicher wesentlich bestimmen. Ein besonderer Zusammenhang ergab sich für körperbehinderte Jugendliche zwischen zu beobachtenden externalisierenden Verhaltensmustern und sozialer Kompetenz. Die Individualentwicklung dieser Jugendlichen wird nahezu alternativ begleitet durch die Herausbildung aggressiver Verhaltensweisen oder das Verfügen über hohe soziale Kompetenz. Nur für die körperbehinderten Kinder ließ sich eine über die Lebensspanne hinweg kontinuierliche Kompetenzentwicklung nachweisen.

Die Ergebnisse der Untersuchung sind neu, vielfältig und bedeutungsvoll für den weiteren fachwissenschaftlichen Diskurs. Sie zeigen begründet, dass Entwicklung kein von Schädigungen determiniertes sondern ein transaktionales Geschehen ist, welches durch die Austauschprozesse in Lebensgemeinschaften und den ihnen gewährten institutionellen Unterstützungsleistungen mitbestimmt wird.



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