Dissertation: Erleben und Ausdruck von Emotionen bei schwerer Demenz

Erleben und Ausdruck von Emotionen bei schwerer Demenz

Studien zur Gerontologie, Band 5

Hamburg 2003, 318 Seiten
ISBN 978-3-8300-0944-3

dement, Demenz, emotionales Erleben, Gerontologie, Gesundheitswissenschaft, Mimik, nonverbales Ausdrucksverhalten, Pflege, Psychologie

Zum Inhalt

Wie fühlen sich demenzkranke Menschen in der stationären Pflege? Das ist für Pflegende und Angehörige oft schwer einzuschätzen. Vor allem im fortgeschrittenen Stadium der Demenz, wenn es den Erkrankten nicht mehr möglich ist, über ihr Erleben und ihre Gefühle zu sprechen, sind die Mitarbeiter der Pflege bei der Deutung von Verhaltensweisen oft auf Vermutungen angewiesen. Die Interpretation nonverbaler Ausdrucksmuster (Mimik, Gestik, Lautäußerungen) gewinnt daher zunehmend an Bedeutung. Dabei stellt sich die Frage, wie sich Emotionen im nonverbalen Ausdruck, speziell in der Mimik, schwer demenzkranker Menschen abbilden.

Diese Arbeit befasst sich mit dem emotionalen Erleben und Ausdrucksverhalten bei schwerer Demenz. Dabei werden zunächst das Krankheitsbild sowie einige ausgewählte Grundlagen der Emotionspsychologie dargestellt. Ein Schwerpunkt liegt auf der Beschreibung des bisherigen Forschungsstands zu Emotion und Demenz.

In einer detaillierten Untersuchung bei neun Pflegeheimbewohnerinnen mit schwerer Demenz wird der Frage nachgegangen, ob eine systematische Beobachtung und Analyse der Mimik zu einem besseren Verständnis des emotionalen Erlebens der Personen führen kann.
Dafür werden verschiedene methodische Ansätze zusammengeführt: Die Fremdbeurteilung durch enge Bezugspersonen sowie die Beobachtung, Beschreibung und genaue Analyse des mimischen Ausdrucksverhaltens von Personen mit schwerer Demenz. Diese beruhen auf Videoaufzeichnungen bestimmter Situationen in Pflegeheimen. Dabei kommt das Facial Action Coding System (FACS, Ekman & Friesen, 1978) zum Einsatz, das die objektive Beschreibung des mimischen Ausdrucks erlaubt. Die Ergebnisse werden in Form von Fallbeschreibungen präsentiert und jeweils im Hinblick auf das gezeigte Ausdrucksverhalten und das angenommene Erleben interpretiert.

Die Arbeit zeigt, dass Emotionen bei schwer demenzkranken Menschen differenziert beschrieben und durch eine Verhaltensbeobachtung der Mimik erfasst werden können. Die Aussagen von Mitarbeitern der Pflege sind für die Beschreibung emotional bedeutsamer Situationen für die von ihnen betreuten Heimbewohner wichtig und aussagekräftig. Es ergeben sich allerdings auch eine Reihe interessanter Abweichungen zwischen der Einschätzung der Pflegenden und den Ergebnissen der Analyse der Mimik mit FACS.



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