Doktorarbeit: Pädagogisches Ethos und ökonomische Rationalität

Pädagogisches Ethos und ökonomische Rationalität

Studien zur Schulpädagogik, Band 37

Hamburg 2003, 306 Seiten
ISBN 978-3-8300-0901-6

Bildungsökonomie, Institutionelles Schulentwicklungsprogramm, Kommunale Gemeinschaftsstelle (KGSt), Lehrerarbeit, Neues Steuerungsmodell, Pädagogik, Schulentwicklung, Schulorganisation

Zum Inhalt

Angesichts neoliberalistischer Ideologisierung staatlichen Handelns stellt Joachim Wolff die Frage nach dem möglichen Gegensatz bzw. der möglichen Vereinbarkeit von pädagogischem Ethos und Ökonomie. Ihn beschäftigt die Frage, ob eine Ökonomisierung des pädagogischen Denkens nicht zu einer Dehumanisierung der Gesellschaft beiträgt und die Grundlagen eines demokratischen Gemeinwesens gefährdet.

Bezogen auf ein überschaubares Segment des Schulwesens in Bremen und Bremerhaven, den Schulen für Lernbehinderte, entwickelt er seine Überlegungen und stellt exemplarisch den Realitätsbezug zwischen gründlichen und grundlegenden Strukturgedanken für das Bildungswesen und bildungspolitische Praxis her. Dementsprechend bezieht er sogenannte graue Papiere, Gutachten zum Bildungswesen, Entschlussentwürfe, Handlungskonzepte verschiedener politischer Gremien, Gesetzesentwürfe und bildungspolitisch relevante Gesetze ein und verwendet sie als wesentliches Material seiner Analyse. Er verschränkt so Grundsatzüberlegungen mit tatsächlichem Organisationsverhalten und reflektiert dies kritisch.

Wolff entwickelt mit neuer Sichtweise für die Praxis präzisere Realitätsvorstellungen. Die in diesem Sinne zentralen Begriffe, Effektivität und Effizienz, und die damit aufgerufenen ökonomisch/technologischen Kontexte werden im Verlauf immer wieder diskutiert und in ihrer Bedeutung erhellend gewichtet.

Wolff legt ein pragmatisches Modell für die Verbindung von Neuem Steuerungsmodell (NSM) und dem in Bremen z.T. realisierten Konzept der Organisationsentwicklung des Schulwesens vor. Er entwickelt das Bild einer Produktionsfunktion der Schule, das er gekonnt durchspielt. Dadurch gelingt es ihm, ein klar verständliches Bild von Prozessen, die in der Schule ablaufen, zu entwerfen. Auf dieser Grundlage werden wesentliche Kritikpunkte nicht nur an der aktuellen Erziehungswissenschaft, sondern ebenfalls an der sich ihrer selbst offensichtlich nur wenig bewussten Schulpolitik und Schulverwaltung herausgearbeitet. Gleichzeitig weist der Verfasser auch auf die Schwierigkeiten des produktionstheoretischen Ansatzes hin.

Der Autor wendet sich, gut belegt und durchaus auch witzig spitz gegen die zwar populäre aber dennoch missbräuchliche Verwendung von gewichtig scheinenden Begriffen aus der Ökonomie. Sehr nachdenklich aber engagiert wischt er den Staub vom vorgeblichen Wahrheitsanspruch der Ökonomie und rekurriert auf den dogmengeschichtlich uralten Wortsinn von Ökonomie als Haushaltungskunst.



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