Dissertation: Väter und anorektische Jugendliche

Väter und anorektische Jugendliche

Interaktionsanalysen im Kontext der Bindungstheorie

Schriften zur medizinischen Psychologie, Band 4

Hamburg 2002, 166 Seiten
ISBN 978-3-8300-0786-9 (Print)

anorexia nervosa, Autonomieentwicklung Jugendlicher, Entwicklungspsychopathologie, Gesundheitswissenschaft, Klinische Bindungsforschung, Medizin, Psychologie, Vater-Jugendlicher-Beziehung, Verhaltensbeobachtung

Zum Inhalt

Die vorliegende Arbeit betrachtet die Bindungsgeschichte von Vätern anorektischer Jugendlicher, ihre Auswirkungen auf den interaktiven Umgang mit ihrem Kind und deren psychosoziale Anpassungsleistung in der Adoleszenz.

Die Analyse bezieht sich auf 33 Vater-Jugendlichen-Paare: mit ihnen wurde Interaktionsbeobachtung durchgeführt, bei den Vätern wurde die Bindungsrepräsentation erfasst und bei den Jugendlichen die Bewältigung der Entwicklungsaufgaben mit Hilfe eines Interviews bestimmt.

Die Studie stellt durch die erstmalige Anwendung der Interaktionsaufgaben und des Auswertungssystems eine Erweiterung der bisherigen Datenbasis zur Beobachtung der familiären Interaktion bei anorektischen Patienten dar. In der Interaktion mit ihren Vätern zeigten sich Hinweise auf eine verminderte Autonomie magersüchtiger Jugendlicher.

Die Verteilung der Bindungsklassifikationen der Väter unterschied sich dabei deutlich von denen von Normalstichproben oder von psychisch erkrankten Erwachsenen. Festgestellt wurden Zusammenhänge zwischen der Bindungsgeschichte der Väter und ihrem Interaktionsverhalten gegenüber ihren Kindern, was ebenfalls das Verhalten der Jugendlichen gegenüber ihren Vätern bedingt. Außerdem konnte ein Einfluss des väterlichen Interaktionsverhaltens und der Bindungsrepräsentation auf die psychosoziale Anpassung der kranken Jugendlichen gezeigt werden. Effekte der transgenerationalen Vermittlung von Bindungserfahrungen wurden bestätigt.

Damit werden bisherige Studien zur Verhaltensbeobachtung magersüchtiger Patienten um die Rolle des Vaters ergänzt und diese Interaktionen erstmals im deutschen Sprachraum qualitativ untersucht. Die Forschungsarbeit nutzt bindungstheoretische Forschungsparadigmen für die Erklärung von Entwicklungspsychopathologie im Jugendalter.



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