Dissertation: Zwischen Engagement und Resignation

Zwischen Engagement und Resignation

Darstellungsformen und Funktionen der >Intelligenz< im DDR-Roman

Studien zur Germanistik, Band 1

Hamburg 2003, 372 Seiten
ISBN 978-3-8300-0766-1 (Print/eBook)

Arbeiter-und-Bauern-Fakultät, Aufbauroman, Außenseiterkonzeption, DDR, DDR-Kulturpolitik, DDR-Literatur, Literaturgattung, Literaturwissenschaft, Sozialistische Intelligenz, Subjektdiskussion, Zivilisationskritik

Zum Inhalt

Die Verfasserin widmet sich in ihrer Analyse einer bisher in der Literaturwissenschaft marginal betrachteten Figurengruppe: der >sozialistischen Intelligenz<. Es erfolgt bei der Textauswahl eine Beschränkung auf die literarische Gattung ‘Roman‘, da sie als die dominante Literaturgattung des >sozialistischen Realismus< anzusehen ist. Aus dreiundvierzig Romanen, in deren Fokus Figuren aus der >Intelligenz< stehen, wurden achtzehn Texte ausgewählt, die exemplarisch die verschiedenen Darstellungsformen und Funktionen der >Intelligenz< im DDR-Roman aufzeigen. Anhand der ausgewählten Texte lassen sich einerseits die Phänomene einer stark von Ideologie geprägten Literatur und Gesellschaft fixieren, andererseits dienen sie als Modell für psychologische Verhaltensmuster.

Fungieren die Figuren aus der >Intelligenz< zunächst nur als Projektionsmöglichkeit für die Vorstellungen des Staates, so entfernen sie sich allmählich von einer staatlichen Funktionalisierung. Die Autoren entwerfen für ihre Protagonisten vermehrt ein Konzept, das den Modus der einseitigen Repräsentation in Frage stellt. Die Untersuchung zeigt, daß die Autoren der DDR ein temporär differierendes Bild von der >Intelligenz< entwerfen. Die Unterschiede bestehen in der veränderten Haltung zum Staat und zu sich selbst. Insbesondere der prinzipielle Widerspruch zwischen gesellschaftlichem und individuellem Anspruch manifestiert sich in den Werken.

Die fiktionalen Texte zeigen eine selbstkritische Tendenz, die auf das herrschende Verhaltensmuster innerhalb der Schicht der >Intelligenz< wirkt. Die Selbstkritik verweist von der Hauptfigur über den Erzähler auf den Autor und die Gesellschaft. Mit der Dekonstruktion der >Intelligenz< als Zuarbeiter der Ideologie wird innerhalb der Literatur zumindest zeitweilig eine neue Autorität der >Intelligenz< aufgebaut. Diese ist nicht mehr abhängig von der Staatspartei, sondern eigenständig autonom. Schließlich führt die Beschäftigung der >Intelligenz< mit sich selbst in der Literatur seit dem Ende der sechziger Jahre und deren verstärkte Selbstorientierung in den siebziger Jahren in den achtziger Jahren zu einem Rückzug der Protagonisten dieser Figurengruppe auf sich selbst.



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