Doktorarbeit: Die Zeit als implizite Kategorie der Pädagogischen Anthropologie

Die Zeit als implizite Kategorie der Pädagogischen Anthropologie

Eine Pädagogische Anthropologie der Zeit

EUB. Erziehung – Unterricht – Bildung, Band 97

Hamburg 2002, 434 Seiten
ISBN 978-3-8300-0737-1 (Print)

Chaostheorie, Chronobiologie, Hirnforschung, interkulturelle Zeitsoziologie, Kant, Pädagogik, Relativität, Zeitphilosophie, Zeitpsychologie

Zum Inhalt

Das Werk geht von einer einfachen Frage aus: Was hat Zeit mit Pädagogik zu tun? Auf den ersten Blick erscheint die Antwort darauf einfach. Unterricht findet in einem bestimmten zeitlichen Rahmen statt, Kinder werden zur Pünktlichkeit angehalten, man braucht ein gewisses Alter um eingeschult zu werden usw.

Der Autor hilft dem Leser, hinter diese Konventionen zu blicken. Er beschreibt unseren alltäglichen Umgang mit Zeit als Resultat spezifischer geschichtlicher Gegebenheiten. Zeit und Raum sind nach Immanuel Kant die Grundbedingungen der Möglichkeit des Denkens. Über diese Grundbedingungen wird in der Pädagogik zu wenig nachgedacht, vor allem über folgende Tatsache: Zeit kann nur zeitlich beschrieben werden. Dieses Zeitparadox führt zu erheblichen Denkschwierigkeiten.

Dessen unbeeindruckt strukturiert man aber Lerneinheiten nach einem maschinellen Muster, das auf die Definition der Zeit der Newtonschen Physik zurückgeht. Dieses Zeitparadigma ist durch den Sieg der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert in unsere Gesellschaft eingedrungen. Die abendländische Zeit ist somit ein Produkt der Dampfmaschine und der Pendeluhr.

Die Mutter der industriellen Technik, die Physik hat sich aber wegen der Erkenntnisse der Thermodynamik, der Relativitätstheorie und der Quantenmechanik längst vom Anspruch der Allgemeingültigkeit der Newtonschen Zeit verabschiedet. Die Pädagogik aber hat diese Gedanken des beginnenden 20. Jahrhunderts nicht mitvollzogen; unverdrossen hält sie an ihrer seit rund hundert Jahren veralteten Zeitvorstellung fest. Mehr noch: sie glaubt, daß Körper und Geist des Menschen ebenso der Newtonschen Zeit unterworfen wären, wie es unsere Maschinen offensichtlich sind.

Chronobiologie, Zeitpsychologie, Hirnforschung und interkulturelle Zeitsoziologie haben demgegenüber stichhaltig gezeigt, daß dies ein Trugschluß ist. Auf deren spannende Ergebnisse lenkt der Autor das Augenmerk des Lesers und diskutiert interdisziplinär die pädagogische Bedeutung ihrer Forschungsresultate.



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