Doktorarbeit: Technik und Moral in der Philosophie Hermann Lübbes

Technik und Moral in der Philosophie Hermann Lübbes

Die Auswirkungen von Vernetzung und Globalisierung

BOETHIANA – Forschungsergebnisse zur Philosophie, Band 51

Hamburg 2002, 334 Seiten
ISBN 978-3-8300-0559-9

Black-box-Zivilisation, Expertendilemma, Freiheit, Geschichtswissenschaft, Religion, Risikoakzeptanz, Technokratie, Totalitarismus, Wertewandel

Zum Inhalt

Diese Arbeit zeigt Hermann Lübbes Beobachtungen und philosophische Bewertung der geänderten Einstellung der Bevölkerung zu ihren industriegesellschaftlichen Lebensgrundlagen auf; die Ursachen des Wandels reichen weit über die uns bedrängenden ökologischen und ökonomischen Probleme hinaus und begannen bereits mit den Anfängen der menschlichen Kultur, als der Mensch Techniken zur Bewältigung der Probleme, denen er sich stellen mußte, entwickelte.

Für Lübbe ist Technik im weitesten Sinne der Bezugspunkt seiner Philosophie. Hier wird aufgezeigt, daß die geänderten Zeitverhältnisse - Gegenwartsschrumpfung, Zukunftsexpansion und Zukunftsgewißheits-
schwund - hervorgerufen durch Netzverdichtung und ihre Dynamik zu Orientierungsproblemen durch Traditionsverlust führen.

Der überall zu konstatierende individuelle Wertewandel wird auf die Lebensweltferne der Wissenschaft und das Expertendilemma zurückge-
führt, die den Menschen durch Konfusion und damit verbundener Überforderung in eine Black-box-Zivilisation stellen. Lübbe mahnt die gesellschaftliche Verantwortung des Ingenieurs an, weist aber gleichzeitig auf die Grenzen der zu erwartenden Verantwortung hin. Es wird auf die Risikoakzeptanz und das damit verbundene Sicherheitsbedürfnis des modernen Menschen eingegangen, der trotz modernster Technikentwicklung vergangenheitsbezogen sein sollte, ohne in Neoromantik zu verfallen. In die Überlegungen sind die Religionen einbezogen, die auch im Wertewandel säkularisierungsresistent sind. Aus dem vorstehend Gesagtem ergibt sich das Selbstverständnis des Menschen in der wissenschaftlich-technischen Zivilisation, wobei der Einfluß der Familie auf die Persönlichkeitsbildung im Wertewandel besonders betont wird.

Da auch die Moral dem Wertewandel unterworfen ist, werden die Bereiche Freiheit, Religion, Recht, Normen, Technokratie und Totalitaris-
mus in Bezug auf bestehende und veränderte Moraleinstellungen untersucht.

Wenn auch einige der Überlegungen Anlaß zu Pessimismus geben, werden sich nach Lübbes Urteil Wohlfahrt und Freiheit unverändert und mit bezwingender Evidenz als Lebensvorzüge der modernen Industriegesell-
schaft zur Geltung bringen. Die Aufbruchstimmung, die bei den Völkern herrscht, welche die in den USA, Japan und Westeuropa erreichten Vorzüge der Industrialisierung erreichen möchten, demonstriert das eindrucksvoll.

Im Schlußteil der Arbeit wird eine kurze Gesamtwürdigung der philoso-
phischen Überlegungen Hermann Lübbes zu Technik und Moral versucht.



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