Dissertation: Infektionserkrankungen bei Drogenabhängigen

Infektionserkrankungen bei Drogenabhängigen

Prävalenz bei Häftlingen, Klienten in Drogenhilfeeinrichtungen und Drogentodesfällen

Forschungsergebnisse aus dem Institut für Rechtsmedizin der Universität Hamburg, Band 5

Hamburg 2002, 190 Seiten
ISBN 978-3-8300-0554-4 (Print)

Drogenabhängige, Drogentote, Hepatitis, HIV, Infektionsprävalenz, Infektionstransmission, Justizvollzug, Medizin, Syphilis

Zum Inhalt

Die vorgestellte Dissertationsschrift erhebt über 3 Jahre die Prävalenz der intravenös übertragenen Infektionserkrankungen HIV und Hepatitis (B und C) sowie der sexuell übertragenen Syphilis bei allen Haftzugängen im Hamburger Justizvollzug. Ein Fünftel dieser Inhaftierten gibt einen i.v.-Drogenkonsum an und wird gesondert mit Klienten des stationären und ambulanten Drogenhilfesystems sowie der Drogentoten desselben Beobachtungszeitraums verglichen.

Die Besonderheit hierbei besteht in der Erfassung aller Drogenabhängigen mittels eines anonymisierten Personenkodes, welches in der Analyse der mehrfachregistierten Personen Wanderungsbewegungen zwischen den Einrichtungen und Hinweise zur Neuinfektion erkennen läßt.

Die HIV-Prävalenz unter nicht-drogenabhängigen Inhaftierten liegt bei 0,8%, wobei die der Ausländer signifikant höher ist. Die HIV-Prävalenz bei inhaftierten Drogenabhängigen stiegt von 1993 bis 1995 auf 4,7% an, liegt im untersuchten therapierten Klientel bei 3,2% (Drogenentzug) bzw. 1,7% (Drogenberatung) und fiel bei den Drogentoten von 8,4% auf 4,2% ab. Die inhaftierten Drogenabhängigen zeigen eine Prävalenz von 61,3% für Hepatitis B und 63,8% für Hepatitis C, auch die weiteren Einrichtungen kommen hier auf etwa 50-60%.

Multiple logistische Regressionsanalysen belegen eine höhere Assoziation von HIV und Syphilis unter den Nicht-Drogenabhängigen, dieser Hinweis auf einen sexuellen Transmissionsweg fällt bei den i.v.-Drogenkonsumenten deutlich geringer aus. Bei den untersuchten therapierten Abhängigen erweist sich eine zurückliegende Inhaftierung als stärkster unabhängiger Prädiktor für eine HIV-Infektion (Daten Drogenberatung) bzw. eine Hepatitis-C-Infektion (Daten Drogenentzug). In der univariaten Auswertung weisen die therapierten Drogenabhängigen mit Hafterfahrung gegenüber denen ohne Hafterfahrung ein fünffach erhöhtes Risiko einer HIV-Infektion auf.

Die Verteilung aller mittels kodierter Mehrfachregistrierung detektierter HIV-Serokonversionen auf vormals inhaftierte und in Haft noch HIV-negative Drogenabhängige deutet auf ein erhöhtes HIV-Transmissionsrisiko für die intravenös Drogenabhängigen im Justizvollzug hin.



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