Doktorarbeit: Bindungsstile in den Familien Drogenabhängiger

Bindungsstile in den Familien Drogenabhängiger

Studien zur Familienforschung, Band 9

Hamburg 2001, 162 Seiten
ISBN 978-3-8300-0415-8 (Print)

Ablösungskonflikte Jugendlicher, Drogenabhängigkeit, Entwicklungspsychologie, Familienforschung, Familientherapie, Jugendliche, Klinische Bindungsforschung, Psychologie

Zum Inhalt

Für die Entstehung von Drogenabhängigkeit stellt die Ablösung des Heranwachsenden von den Eltern eine kritische Phase dar. Das Gelingen dieser Ablösung hängt wesentlich von den Bindungsstilen des Heranwachsenden und eben auch von denen seiner Eltern ab. Dennoch sind die Zusammenhänge zwischen Bindungsstilen und Drogenabhängigkeit bislang noch nie untersucht worden.

Der Autor formuliert zunächst die Problematik Drogenabhängiger aus bindungstheoretischer Perspektive. Im empirischen Teil werden dann erstmals die Zusammenhänge zwischen Bindungsstilen und Drogenabhängigkeit an einer Stichprobe von 71 jugendlichen und jungerwachsenen Drogenabhängigen untersucht. Neu im Rahmen der klinischen Bindungsforschung ist, daß auch die Bindungsstile der Eltern und Geschwister dieser Drogenabhängigen untersucht werden konnten. Damit werden Rückschlüsse auf die Dynamik des innerfamiliären Gefüges von Bindungsstilen möglich.

In den Ergebnissen zeigen sich bei den Drogenabhängigen überwiegend Ängstlich-vermeidende Bindungsstile, während die nicht-drogenabhängigen Geschwister überwiegend sicher gebunden sind. Bei den Müttern dominiert dagegen der Anklammernde Bindungsstil, während die Väter relativ abweisend sind. Das in einem Großteil der Familien auftretende „Sucht-Bindungsdreieck“ wird in seiner Funktion für die Entstehung und Aufrechterhaltung der Drogenabhängigkeit analysiert. Die Ergebnisse haben darüber hinaus Implikationen für die Art der therapeutischen Beziehungsgestaltung in der Behandlung Drogenabhängiger. Das Buch wirft eine Reihe weiterführender Fragen zu möglichen alterskorrelierten Veränderungen der Bindungsstile über die Adoleszenz und deren Zusammenhang mit der Suchtentwicklung, zur Entstehung unterschiedlicher Bindungsstile von Geschwistern und zur Bindungsdynamik von Paar- und Elternbeziehungen auf.

Andreas Schindler ist Psychologischer Psychotherapeut und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Drogenambulanz des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.



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