Dissertation: Sowjetisierung oder Selbständigkeit?

Sowjetisierung oder Selbständigkeit?

Die sowjetische Finnlandpolitik 1943-1948

Hamburger Beiträge zur Geschichte des östlichen Europa, Band 8

Hamburg 2001, 393 Seiten
ISBN 978-3-8300-0352-6 (Print)

Rezension

[...] äußerst akribisch, historisch kenntnisreich und umfassend, im Ton sowie auch in der Auseinandersetzung mit älteren Forschungspositionen angenehm abwägend und darüber hinaus stilistisch elegant. [...]
Die sehr lesenswerte Arbeit kommt damit zu erheblich differenzierteren Schlüssen, als es der - verständlicherweise - antagonistisch formulierte Titel vermuten lässt.

Beate Ihme-Tuchel, FU Berlin, in:
H-Soz-u-Kult, 05.09.2002

Beziehungen, Finnland, Finnlandpolitik, Geschichtswissenschaft, Kriegsschuldfrage, Nachkriegszeit, Sowjetisierung, Sowjetunion, Zweiter Weltkrieg

Zum Inhalt

In dieser Arbeit geht es um die Frage, warum Finnland als einziger westlicher Nachbarstaat der UdSSR nach dem Zweiten Weltkrieg nicht sowjetisiert wurde. Dazu stellt die Autorin exemplarisch drei Themenbereiche heraus und behandelt sie in ihrer Entwicklung: den Kriegsaustritt Finnlands, die Kriegsschuldfrage 1945 und die wirtschaftlichen Beziehungen der Sowjetunion zu Finnland in den ersten vier Nachkriegsjahren.

Erstmals steht hier die Frage im Mittelpunkt, wie die finnischen Gegebenheiten auf die sowjetische Außenpolitik zurückwirkten. Systematisch werden der Einfluss der finnischen Politik und Gegebenheiten auf das außenpolitische Handeln der Sowjetunion analysiert. Und erstmals wird die sowjetische Außenpolitik gegenüber Finnland gründlich und auf breiter Quellenbasis behandelt. Besondere Beachtung verdient dabei die Untersuchung der sowjetisch-finnischen Wirtschaftsbeziehungen.

Im Ergebnis zeigt die Arbeit, wie widersprüchlich die Entwicklungen zur damaligen Zeit waren. Eine Besetzung Finnlands wurde nie ganz ausgeschlossen und die Maschinerie dafür in ständiger Bereitschaft gehalten, doch konkrete Maßnahmen wurden vermieden. Die Sowjetunion bestand zwar auf der Durchführung eines Kriegsschuldprozesses als politisches Zeichen für eine Abrechnung mit der Vergangenheit, und die Kontrollkommission verfolgte anfänglich weitgehende Pläne zur wirtschaftlichen Einflussnahme in Finnland. Realisiert wurde davon jedoch wenig. Die finnische Politik hatte gegenüber der Sowjetunion mehr Spielraum, als die damaligen Politiker wohl ahnten. Trotzdem wurde der Spielraum von der finnischen Politik sehr wohl genutzt.



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