Forschungsarbeit: Das Caesarbild Ciceros

Das Caesarbild Ciceros

Studien zur Geschichtsforschung des Altertums, Band 8

Hamburg 2001, 126 Seiten
ISBN 978-3-8300-0337-3 (Print)

Rezension

... [ist] dieses flüssig geschriebene Büchlein als weiterführender Spezialbeitrag zum Themenkreis Caesar, Cicero und die ausgehende Republik eine empfehlenswerte Lektüre.

Altay Coskun, Universität Trier, in:
Göttinger Forum für Altertumswissenschaft, 2003

Altertum, Caesar, Caesarbild, Cicero, Diktatur, Geschichtswissenschaft, Marcus Tullius Cicero, Plutarch, Römische Geschichte, Römische Republik, Rom, Späte Republik

Zum Inhalt

Angesichts der höchst widerspruchsvollen Einschätzung des Problems in der Forschung scheint ein neuer Versuch, das Bild Caesars bei Cicero zu beleuchten, gerechtfertigt. Dazu zieht die Arbeit auch einen Vergleich mit seiner Charakterisierung bei dem griechischen Biographen Plutarch heran.

In welcher Spannung das Caesarbild zu stehen scheint, zeigt sein Schwanken zwischen Ciceros anfänglicher Beurteilung Caesars als „Hoffnung des Staates“ und Plutarchs Verurteilung der „unverhüllten Tyrannis“ seiner Herrschaft. Bei genauerer Betrachtung wird jedoch deutlich, dass ihre Einschätzung Caesars grundsätzlich dieselbe ist. Differenzen finden sich weniger zwischen den Autoren als innerhalb des Bildes selbst. Der Feldherr Caesar wird anders beurteilt als der Innenpolitiker, der Privatmann anders als der Diktator. Dennoch ergibt sich eine überraschend klare Sicht auf die vielschichtige Persönlichkeit Caesars, bei seinem Zeitgenossen Cicero ebenso wie mehr als ein Jahrhundert später bei dem Griechen Plutarch.

Wie die Autorin im Gegensatz zur herrschenden Forschungsmeinung zeigt, ist dieses in sich gespaltene Bild bei Cicero nun keinem zeitlichen Wandel unterworfen. In seinen Schriften wird durchgängig seine Bewunderung für die Bildung, die Selbstbeherrschung, ja auch für das Charisma des Juliers deutlich. Heftige Kritik übt er an seinem Machtwillen und Machtanspruch. Mehrmals versucht Cicero, Caesar in ein Staatswesen seiner Vorstellung einzubinden. Insbesondere in den drei Reden vor dem Diktator verbindet er Lob und Bitte mit deutlichen Vorwürfen, die Ordnung des Staates zu vernachlässigen. Dass der Mann, den er als seinen Freund empfand, in der Politik sein Gegner werden musste, erscheint als die eigentliche Tragödie.

Dennoch hat Cicero weder Caesars Rücktritt gefordert noch zu seiner Ermordung aufgerufen. Zu deutlich war ihm bewusst, dass eine Beseitigung des Diktators die Probleme der römischen Republik nicht lösen, sondern eher verschärfen würde. Wie Recht er hatte, musste er am eigenen Leib erfahren.

Ausführliche Sach- und Stellenindices gewährleisten die Übersichtlichkeit und gute Benutzbarkeit des Buches.



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