Dissertation: Die poet(olog)ische Finalisierung des Organischen

Die poet(olog)ische Finalisierung des Organischen

Körpertextualisierungen bei Benn & Nietzsche

BOETHIANA – Forschungsergebnisse zur Philosophie, Band 47

Hamburg 2000, 450 Seiten
ISBN 978-3-8300-0280-2 (Print)

Epistemologie, Friedrich Nietzsche, Geschichtswissenschaft, Gottfried Benn, Jacques Derrida, Jacques Lacan, Jean-François Lyotard, Max Bense, Michel Foucault

Zum Inhalt

Die vorliegende Arbeit ist ganz zweifellos eine ungewöhnliche, unerbittliche, überaus anspruchsvolle Arbeit. Sie versucht radikal der Situation zu entsprechen, wie sie sich nach der Überwindung des Vorrangs des Geistes vor dem Körper bzw. dem Leib und, weiter genommen, nach der Infragestellung des Geistes als einer selbständigen Instanz der Welterschließung darstellt. Wie ist das Verständnis einer Welt zu sehen, wenn keine geistige Macht mehr die Erkennbarkeit einer realen Gegebenheit zu garantieren vermag? Was bedeutet es dementsprechend, wenn die Realitätserfahrung nun umgekehrt als eine vom eigenen Leib und den leiblichen Zuständen hervorgebrachte begriffen wird? Die letztere Einsicht ist einerseits bei Friedrich Nietzsche, andererseits bei Gottfried Benn anzutreffen. Dabei geht es vor allem um die Auffassung von Kunst, die sich bei beiden aus der Überzeugung von der Leibbestimmtheit ihres eigenen Schreibens ergibt.

Das Anliegen der Arbeit ist eine neue Epistemologie oder epistemologische Physiologie, für die der Körper als Organismus erste Instanz jeglicher Welterschließung ist, was genauer den Versuch der Selbstreferenz-Umstrukturierung, d.h. der Entwicklung einer Selbstreferenz-Figur des Menschen, welche den menschlichen Körper einschließt, bedeutet. Zentrales Untersuchungsobjekt ist dabei die Sprache. Ihre weltgenerierende Souveränität, insbesondere der dichterischen, soll anhand Bennscher und Nietzschescher Exemplifikationen in ihrer Leibfundiertheit sichtbar gemacht werden.

Das Ziel der Arbeit ist jedoch nicht in erster Linie die Behandlung einer Grundeinsicht von Nietzsche und Benn über das Verhältnis von Sprache und Realität, sondern es geht um nichts Geringeres als den Versuch einer umfassenden „Ontologie“, unter Einbeziehung des fortgeschrittensten Denkens unserer Zeit, insbesondere, aber nicht nur, in den Naturwissenschaften. „Ontologie“ wäre dabei allerdings ein unangemessener Titel, insofern es sich gerade um den Aufweis des Entstehens von Sein aus Nichts handelt, dessen Entsprechungen u. a. in der Makro- und Mikrophysik, in der Kunst und schließlich sogar in der menschlichen Freiheit gezeigt werden.



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