Doktorarbeit: Gesellschaftlicher Umbruch und Schulreform

Gesellschaftlicher Umbruch und Schulreform

Schul- und Lebensorientierungen ostdeutscher Schülerinnen und Schüler vor dem Erfahrungshintergrund der schulischen Umbruchsituation, untersucht an einer thüringischen Regelschule

Studien zur Schulpädagogik, Band 28

Hamburg 2000, 642 Seiten
ISBN 978-3-8300-0263-5 (Print)

Bildungswesen, Ostdeutschland, Pädagogik, Qualitative Sozialforschung, Schulalltag, Schulentwicklungsforschung, Schulreform, Umbruch, Wende

Zum Inhalt

Zehn Jahre nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten, die (auch) in den Schulen einen historisch beispiellosen Umgestaltungsprozess auslöste, legt die Autorin eine aktuelle Bestandsaufnahme zur Situation im ostdeutschen Bildungswesen vor. Gegenstand der Untersuchung ist eine Einzelfallstudie, der „Fall“ eine Regelschule in einer thüringischen Kleinstadt, in der sich die Auswirkungen der „Implosion“ des DDR-Systems auf die Schulstruktur brennartig spiegeln.

Das erkenntnisleitende Interesse der Autorin gilt sowohl dem äußeren Strukturwandel wie auch im Besonderen den Möglichkeiten einer „inneren Reform“. Die Fragestellung der Arbeit zielt daher auf die subjektiven Erfahrungen und Deutungen des Umbruchs in der ehemaligen DDR und beleuchtet die sich daraus entwickelnden Schul- und Lebensorientierungen der Betroffenen.

Dem entspricht der methodische Ansatz der Untersuchung, die qualitative Sozialforschung: Im Rahmen der Einzelfallstudie wurden SchülerInnen der neunten und zehnten Klassen sowie LehrerInnen zu ihren Erfahrungen mit den durch die „Wende“ ausgelösten Veränderungen im Alltag der Schule befragt. Das Ergebnis ist ein vielfältiges, facettenreiches Bild der Schulwirklichkeit im Osten Deutschlands, das bestimmt ist vom Spannungsverhältnis zwischen den aktuellen Herausforderungen, die sich aus den Interessen und Lebenslagen der SchülerInnen ergeben, und den historischen Prämissen, durch die das politisch-pädagogische Denken und Handeln in der DDR geprägt war (und zwar bei SchülerInnen und LehrerInnen).

Zum Untersuchungsgegenstand gehört daher auch die Vergegenwärtigung der geschichtlichen Hintergründe, die in den pädagogischen Handlungsmaximen der Lehrenden und vielfach auch bei Lernenden noch immer wirksam sind. Galt in der DDR-Pädagogik, auch im Hinblick auf die „Selbsttätigkeit“ des Schülers, „das Wort des Lehrers“ als tragendes und bewegendes Moment des Unterrichts, zeigen die empirischen Befunde die Notwendigkeit, die heutigen Interessen und Bedürfnisse der SchülerInnen im Sinne einer stärker dialogischen Ausrichtung der Erziehungs- und Bildungsprozesse in den Schulalltag einzubinden. Im Schüler- und Lehrerporträts werden die Chancen und Hemmnisse für eine dahin zielende „innere Reform“ als vordringlichste Aufgabe für die zukünftige Gestaltung der Regelschule eruiert und diskutiert.



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