Doktorarbeit: Soziale Normen und Umweltverhalten

Soziale Normen und Umweltverhalten

Theoretische und empirische Analysen zum Einfluß normativer Überzeugungen auf das persönliche Umweltverhalten

SOCIALIA – Studienreihe soziologische Forschungsergebnisse, Band 42

Hamburg 2000, 240 Seiten
ISBN 978-3-8300-0257-4 (Print)

Ajzen-Fishbein-Modell, Moralnorm, Normaktivionsmodell, Normenmodell, soziale Norm, Soziologie, Umweltbewusstsein, Umweltsoziologie, Umweltverhalten

Zum Inhalt

In dieser Arbeit wird der Einfluss sozialer Normen auf das Umweltverhalten untersucht. Unter besonderer Berücksichtigung des Rational-Choice-Ansatzes werden im theoretischen Teil die wichtigsten Normbegriffe auf ihre Eignung geprüft, einen eigenständigen Beitrag bei der Erklärung von Verhalten zu leisten. Diese Auseinandersetzung mündet in einen eigenen Definitionsvorschlag: Der Autor fasst Normen als achtungssanktionsgestützte Bewertungen von Verhalten und Eigenschaften. So verstanden sind soziale Normen nicht auf das Problem der Regelung von Interessenkonflikten beschränkt.

In einem Normenschema werden nun mehrere normative Perspektiven ausgewiesen. Bestandteile des hierin gegründeten Normenmodells sind die Moralnorm, die Vernunftnorm und die Imagenorm sowie eine außernormative Komponente, die persönlichen Dispositionen. Diesem Modell werden die Theorie des geplanten Verhaltens (Ajzen-Fishbein-Modell) und das Normaktivionsmodell von Shalom Schwartz gegenübergestellt.

Der Autor stellt zudem mögliche kausal vorgelagerte Konzepte für das Umweltbewusstsein vor. Die empirische Überprüfung erfolgt anhand einer schriftlichen Befragung von mehr als 400 Studierenden der Universität Köln. Den Befragten werden zwei Verhaltensbeispiele vorgelegt: die Einschränkung der Verbrauchs an neuem (nicht recyceltem) Papier und Kurzurlaube mit dem Flugzeug (unter einer Woche) in den vorangegangenen zwei Jahren. Bei der Erklärung des Papierverbrauchs geht die größte Erklärungskraft von der Moralnorm aus, im Beispiel der Kurzurlaube mit dem Flugzeug von der Vernunftnorm sowie, wenn als persönliche Vorliebe operationalisiert, von den persönlichen Dispositionen. Die Imagenorm erlangt dagegen in keinem der beiden Verhaltensbeispiele eine besondere Bedeutung.

Das Normenmodell behauptet sich empirisch gegenüber den zum Vergleich herangezogenen sozialpsychologischen Modellen. Insbesondere den „moralstarken“ Papierverbrauch kann es besser erklären als das Ajzen-Fishbein-Modell. Im Vergleich zum Normaktivationsmodell hat es Vorteile bei der Erklärung der „moralschwachen“ Kurzurlaube.

Auf der Ebene allgemeiner Prinzipien bewährt sich das Vertreten einer Rücksichtsmoral als verhaltensrelevantes Konzept. Von der aufgenommenen Schädigung der Umwelt durch das jeweilige Verhalten geht ein wesentlich stärkerer Einfluss auf das Verhalten und auf die Moral- und die Vernunftform aus. Die Genese dieser Einschätzung stellt in den Augen des Autors einen guten Ansatzpunkt für Interventionen dar.



Informationen über das Veröffentlichen wissenschaftlicher Arbeiten.

nach oben