Doktorarbeit: Anwaltsgesellschaften in Deutschland und Frankreich

Anwaltsgesellschaften in Deutschland und Frankreich

Studien zur Rechtswissenschaft, Band 72

Hamburg 2000, 300 Seiten
ISBN 978-3-8300-0255-0

Rezension

[...] Das klar gegliederte Buch ermöglicht eine schnelle Orientierung. [...] Insgesamt handelt es sich um ein informatives Buch zum anwaltlichen Berufsrecht.

Joachim Gruber, in:
Berliner Anwaltsblatt, Jun. 2001

Anwalts-GmbH, Berufsausübungsgesellschaft, Gesellschaft bürgerlichen Rechts, Partnerschaftsgesellschaft, Rechtsanwaltsaktiengesellschaft, Rechtsanwaltsgesellschaft, Rechtswissenschaft, société civile professionelle, Sozietät

Zum Inhalt

Die Arbeit stellt zunächst die den avocats in Frankreich offenstehenden Gesellschaftsformen dar, wobei auf die association nur am Rande eingegangen wird. Behandelt werden die Entstehungsgeschichte, die Gesellschaftsgründung, insbesondere die Anforderungen an die Gesellschafter und die Gesellschaft als Rechtssubjekt, das Innenverhältnis unter besonderer Berücksichtigung des Gesellschafterwechsels, das Außenverhältnis unter schwerpunktmäßiger Behandlung der Haftung der Gesellschafter für berufliches Fehlverhalten sowie die Auflösung der Gesellschaft. Ausgeklammert ist die steuerrechtliche Behandlung der Gesellschaften.

Nachfolgend werden die den Rechtsanwälten in Deutschland zur gemeinsamen Berufsausübung zur Verfügung stehenden Gesellschaftsformen erläutert. Hierbei wird die Partnerschaftsgesellschaft mit der société civile professionelle, die Sozietät in Form der Gesellschaft bürgerlichen Rechts mit der société en participation d’exercice libéral, die Rechtsanwalts-GmbH mit der société d’exercice libéral § responsabilité limitée, die Rechtsanwaltsaktiengesellschaft und -kommanditgesellschaft auf Aktien mit der société d’exercice libéral § forme anonyme und société d’exercice libéral en commandite par actions verglichen.

Die Autorin stellt u.a. dar, dass mit Ausnahme der association, die im anwaltlichen Berufsrecht geregelt ist, in Frankreich für alle Rechtsformen Rahmengesetze für alle freien Berufe bestehen, die für die einzelnen Berufe in Ausführungsdekreten ausgestaltet sind. Alle Gesellschaftsformen mit Ausnahme der association und der société en participation d’exercice libéral sind mit Rechtspersönlichkeit ausgestattet und unterliegen der berufsrechtlichen Zulassung. Auch die Gesellschaften ohne Rechtspersönlichkeit unterliegen der berufsrechtlichen Kontrolle durch die Rechtsanwaltskammer. Die Gesellschafterposition ist grundsätzlich auf in der Gesellschaft berufstätige Rechtsanwälte beschränkt. Eine interprofessionelle Zusammenarbeit mit Angehörigen anderer Berufe ist unzulässig. Die Geschäftsführung ist stets den in der Gesellschaft aktiven Gesellschaftern vorbehalten. Die mit Rechtspersönlichkeit ausgestatteten Gesellschaften sind postulationsfähig und unterliegen der Disziplinargewalt der Rechtsanwaltskammer. Die Gesellschafter einer französischen Anwaltsgesellschaft dürfen ihren Beruf nur in einer Gesellschaft ausüben. In allen Rechtsformen haften die Gesellschafter für eigene Schäden aus fehlerhafter Berufsausübung unbeschränkt persönlich.

Weiterhin beschreibt die Verfasserin, dass de lege late in Deutschland nur die Rechtsanwalts-GmbH einem berufsrechtlichen Zulassungsverfahren unterliegt. Sie ist als einzige Rechtsform Berufsträgerin. Im übrigen besteht lediglich eine Anzeigeverpflichtung gegenüber der Rechtsanwaltskammer. Die Kapitalgesellschaften verfügen über Rechtspersönlichkeit, die Partnerschaftsgesellschaft ist einer juristischen Person weitgehend angenähert. Gesellschafterposition und Geschäftsführung sind in allen Rechtsformen auf Rechtsanwälte und Angehörige anderer sozietätsfähiger Berufe im Sinne von § 59 a BRAO beschränkt. In Deutschland ist nur die Rechtsanwalts-GmbH postulationsfähig. Die Beteiligung an einer Rechtsanwaltsgesellschaft ist übertragbar. Die Gesellschafter einer GbR haften für Schäden aus fehlerhafter Berufsausübung als Gesamtschuldner. In einer Partnerschaftsgesellschaft besteht bei fehlerhafter Berufsausübung eine gesetzliche Handelndenhaftung. Für die Kapitalgesellschaften ist eine persönliche Haftung der Gesellschafter mit Ausnahme der Komplementäre ausgeschlossen.



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