Lebenserinnerung: Lebensstoff und Lebenssinn

Lebensstoff und Lebenssinn

Geschichte eines Lebens

Lebenserinnerungen, Band 17

Hamburg 2000, 538 Seiten
ISBN 978-3-8300-0067-9 (Print)

angewandte Germanistik, Autobiografie, Didaktik der deutschen Sprache und Literatur, Erinnerungen, Goethe-Universität Frankfurt, Hochschule, Lebenserinnerungen, Professor, Universität Augsburg

Zum Inhalt

Der Autor war bis zu seiner Emeritierung Professor für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Goethe-Universität in Frankfurt und an der Universität Augsburg.

„Thornton Wilder gab, 1953 in München, Tipps, wie man Schreiben vorbereite: beobachten, notieren, Material sammeln, überdenken. So fanden und häuften sich Notizen, zumal das Alltägliche und Allgemeine allzu bald wie ein Roman erschien, fremd und unglaubhaft, und doch nichts war und ist als Leben, eigene Geschichte, die sich, wenn man altert, aufstaut, zurückgewehrt und hochgedämmt, ohne dass die Fluten hereinbrechen müssten. Dieser Roman muss nicht unbedingt geschrieben werden.

Da stürzt ein Computer ab, löst Spannungen von Jahrzehnten - eine Springflut bricht los, ein Raptus, zwar gesteuert, doch auf verschiedenen Ebenen: im Heute der Rettung eines Werkes wie in den Knallkörpern der Politik; im heutigen Gestern eines er-innerten Weges durch fast acht glühheiße Jahrzehnte; im gewesenen Gestern, das sich in authentischen Texten von „damals“ historisch dokumentiert.

So entsteht mehr die Geschichte als der Roman eines Lebens. Wunderbar genug: Lebensgeschichte als Zeitgeschichte eines, der eine Weltgeschichte und eine Literaturgeschichte zu schreiben wagte, nun Historiker seiner selbst. Oder doch Romancier? Denn: kein Leben geht in der Geschichte ganz auf und die Geschichte in keinem Leben. Der Zurückschauende fragt den Strom der Zeit nach seiner Identität, und er sucht sie in den Spuren, als seine Spur.

Was wird aus Vergangenem auferstehen? Es wird anders sein. Es ist anders, als es war. Nicht wiederholbar, nicht wieder herstellbar. Weder als Erinnerung noch in Worten. Wiedergeschaffen wird, was wirkt und noch wirkt. Nein, nicht wiedergeschaffen, vielmehr: neugeschaffen wie nach einem gewesenen, lange gewesenen Film, in dem eine Figur vorkam, die man war oder ist, deren Identität die eigene scheint, mit der man sich jedoch nicht identifiziert. Schein und Sein verschwimmen im Selbstbildnis, Autobiographisches wird Roman, Drama, Lyrik, je nach Tages- und Jahreszeit und wie der Lichtstrahl fällt.“



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