Magisterarbeit: Die lange Reise der Toten

Die lange Reise der Toten

Zwei Studien zu Ideologie und Praxis des Todes in Süd- und Südostasien

HERODOT – Wissenschaftliche Schriften zur Ethnologie und Anthropologie, Band 3

Hamburg 2000, 318 Seiten
ISBN 978-3-8300-0053-2 (Print)

Bestattungsritual, Geschichtswissenschaft, Religion, Rituale, Sora, Südasien, Tieropfer, Tod, Toraja

Zum Inhalt

Der Tod stellt jede Gesellschaft vor eine Herausforderung. In den westlichen Gesellschaften folgt auf die individuelle Trauer und persönliche Hilf- und Orientierungslosigkeit die bürokratische Abhandlung des Geschäftes mit dem Tod durch Bestattungsinstitute. Dagegen bringen die Rituale des Todes an vielen Orten der Welt die zentralen kulturellen Werte der betreffenden Gesellschaft zum Ausdruck. Anhand zweier Studien werden zwei asiatische Regionalkulturen vorgestellt, die eigene faszinierende Antworten auf die vom Tod aufgeworfenen Fragen gefunden haben. Außerdem gibt diese Arbeit einen guten Überblick über die grundlegenden klassischen und neueren ethnologischen Interpretationsansätze.

Die Bestattungsrituale der Toraja, aluk to mate, „Weg der Toten“ genannt, sind auf den zentralen Wertideen Leben und Tod aufgebaut. Den rituellen Tod - der biologische wird als eine von den Ahnen verursachte Krankheit angesehen - stirbt ein Mensch durch die Opfergaben bestimmter Wasserbüffel, die den Toten repräsentieren. Erst danach beginnt für ihn die „Totenreise“. Auf dem Weg vom Haus zur Grabstelle wird an einem Festplatz haltgemacht, wo der Gastgeber und seine Gäste lebende Wasserbüffel und Büffelfleisch tauschen. War am Haus die Beziehung zwischen Ahnen und Menschen dominant, sind es hier die Beziehungen der Menschen. Dies ändert sich erneut am Grab, wenn sich die „Seele“, ohne Begleitung der Lebenden, auf den Weg in das Land der Ahnen begibt. Die zentralen Wertideen der Toraja, Tod und Leben, werden den bestimmten Abschnitten des Rituals zugeordnet und strikt voneinander getrennt. Um diese Ideen jedoch verständlich machen zu können, betrachtet die Arbeit den Ritualzyklus als Ganzheit.

Das Leben der Sora, einer Stammesgruppe in Mittelindien, ist aufs engste mit ihren Vorstellungen über den Tod verknüpft. Rituelle Spezialisten, den Schamanen vergleichbar, bieten in Trance die Möglichkeit der Kontaktaufnahme mit den Verstorbenen. Die Toten, sonums, werden als Ursache für jeden Tod betrachtet, tragen daneben aber auch die Verantwortung für Krankheiten und Unglücksfälle. Rituelle Gespräche mit ihnen sind daher sowohl bei Heilungszeremonien als auch bei Bestattungen wichtig. Hier suchen die Menschen Hintergründe der jeweiligen „jenseitigen Störung“, um sie beseitigen zu können. So findet im Ritual ein Diskurs zwischen den Lebenden und den Toten statt, der alle relevanten gesellschaftlichen Bereiche umfassen kann und so für die Lebenden von existentieller Bedeutung ist.



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