Dissertation: Erschrecken. Die emotionale Krise als narratives Signal in ausgewählten Werken der mittelhochdeutschen Literatur

Erschrecken. Die emotionale Krise als narratives Signal in ausgewählten Werken der mittelhochdeutschen Literatur

Schriften zur Mediävistik, Band 29

Hamburg 2019, 390 Seiten
ISBN 978-3-339-10932-3 (Print), ISBN 978-3-339-10933-0 (eBook)

Der Arme Heinrich, Emotionalisierungsstrategie, Emotive Wende, Eneas, Erschrecken, Erzählsignal, Funktionalisierung von Emotionen, Germanistik, Hartmann von Aue, Heinrich von Veldeke, Literaturgeschichte der Emotionen, Mediävistik, multiperspektivischer Ansatz, Nibelungenlied, Textgattung

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Die Studie reiht sich ein in literaturwissenschaftliche Untersuchungen, die im Zusammenhang mit dem emotional turn seit der Jahrtausendwende entstanden sind. Als Beitrag zur Literaturgeschichte der Emotionen erforscht sie, welche (gattungsabhängige) Rolle Schreckmomente in mittelhochdeutschen Texten spielen, welche Trigger-Situationen identifiziert werden können, ob und welche Signalwirkung dem Erschrecken zukommt und inwiefern man im individuellen Fall von einem narrativen Marker sprechen kann, den der Erzähler bewusst setzt.

Eine multiperspektivische Bespiegelung der Schreckreaktion bildet die breite theoretische Basis. Der Leser verfolgt die systematische Analyse des Affekts von geflügelten Worten über Phänomene des Alltags bis hin zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen aus Medizin und Evolutionsbiologie. Man gewinnt umfassende Einsichten in die menschliche Affektstruktur im Allgemeinen und bezüglich der Komplexität der Schreckreaktion im Besonderen. Ein historisch-mentalitätsgeschichtlicher Überblick, der Arbeiten aus der französischen Annales-Schule als Wegweiser benutzt, leitet über zur Anwendung dieser transdisziplinären Annäherung auf ein ausgewähltes Korpus hochmittelalterlicher Texte: Schwerpunktmäßig werden der Eneasroman Heinrichs von Veldeke (Antikenroman), Der Arme Heinrich Hartmanns von Aue (Legendenroman) und das Nibelungenlied (Heldenepik) nach dem literarischen Erschrecken befragt.

Die Autorin entwickelt über die methodische Einkreisung des Erschreckens aus unterschiedlichen Fachperspektiven ein interessantes Forschungsdesign. Sie geht damit einen entscheidenden Schritt über die philologisch erprobte Form der Motivgeschichte heraus. So kann sie über die interpretatorischen Tiefenanalysen neue Strukturen in den ausgewählten Texten freilegen.



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