Dissertation: Gründung der Freimaurerorganisation „Vereinigte Großlogen von Deutschland“ im Zeitraum 1945–1958

Gründung der Freimaurerorganisation „Vereinigte Großlogen von Deutschland“ im Zeitraum 1945–1958

Studien zur Zeitgeschichte, Band 111

Hamburg 2019, 212 Seiten
ISBN 978-3-339-10744-2 (Print), ISBN 978-3-339-10745-9 (eBook)

Einigung deutscher Freimaurer, Freimaurer, Geheimgesellschaft, Politikwissenschaft, Reorganisierung, Theodor Vogel, Vereinigte Großlogen, Vereinigte Großlogen von Deutschland, VGLvD

Zum Inhalt

Im Zeitalter der Aufklärung entstand als Reaktion auf Barock, Orthodoxie und Gegenreformation eine gesamtgesellschaftliche Wandlung von der theoretischen Kritik zu aktivem reformerischen Handeln. Dem Menschen an sich wurde nun die Fähigkeit zu selbstständigem Denken und Rationalität zugesprochen, welche zum Lösen von Problemen eingesetzt werden sollte. In dieser gesellschaftsprägenden Epoche bildeten sich noch vor der Französischen Revolution als Produkt der politischen Kultur Englands und Schottlands erste moderne Freimaurerlogen, die sich im Laufe der Zeit schließlich über ganz Europa ausbreiteten.

Der Zweite Weltkrieg hat in der jüngeren Geschichte für die gesamte Welt im Allgemeinen und für Deutschland im Besonderen eine grundlegende und bis in die heutige Zeit reichende Veränderung mit sich gebracht. Die Türen für eine Neuerung der politischen Struktur und des öffentlichen Lebens in Deutschland wurden mit Beendigung des Krieges im Jahre 1945 geöffnet. Der Zeit der Unterdrückung folgte eine völlige Neuorientierung des Landes – Demokratie und Gleichberechtigung hatten so eine reelle Chance. Langsam, aber stetig bot sich in einer neu gestalteten Gesellschaft für viele die Aussicht auf einen Neuanfang. So auch der hier im Fokus stehenden Gruppierung der Freimaurer, die seit mittlerweile über 270 Jahren in Deutschland existiert.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs musste die gesamte freimaurerische Organisationsstruktur schließlich neu gestaltet und weiterentwickelt werden. Die heutige Großlogenlandschaft in Deutschland hat dementsprechend ihren organisatorischen Ursprung in der Nachkriegszeit, als die Grundsteine für eine Vereinigung der Freimaurer in Deutschland unter einem Dachverband gelegt wurden.

  • Doch wie ging diese Entwicklung vonstatten und warum fand die Gründung erst zu diesem Zeitpunkt der bis dahin schon 200 Jahre zählenden freimaurerischen Geschichte in Deutschland statt?
  • Wer war daran beteiligt und gab es Änderungen in den freimaurerischen Strukturen, die einen übergeordneten Zusammenschluss schließlich doch noch ermöglichten?
  • Inwieweit waren äußere politische Prozesse beteiligt an diesem Vorgang?
  • Ist die ideelle Herkunft aus der Zeit der Aufklärung in ihrer Umsetzung auch heute noch präsent?

Um diese Fragen eingehend zu beantworten, wird im ersten Abschnitt zunächst die Situation der Freimauer in Deutschland vor und während des Dritten Reiches näher beleuchtet, um die Bedeutung der Veränderungen nach Kriegsende besser einordnen zu können. Die Aufzeigung der internen und externen Problematik der Neuorganisation der Freimaurer in der Nachkriegszeit macht deutlich, mit welchen Schwierigkeiten sich die bereits vor dem Zweiten Weltkrieg inhomogene und durch das Regime der Nationalsozialisten schwer in Mitleidenschaft gezogene Vereinigung in der Phase der Neuorientierung konfrontiert sah.

Weiterführend wird anhand der verschiedenen Bemühungen zur Reorganisierung der Freimaurerei in den ersten Jahren nach Ende des Zweiten Weltkrieges ersichtlich, wie viel grundsätzliches Potential für eine Änderung des bisherigen Status quo in den Wirren der Nachkriegszeit in Deutschland zwar vorhanden war – die Nutzung dessen sich aber aufgrund von politisch geprägten wie auch freimaurerinternen Schwierigkeiten als sehr aufwändig gestaltete. Die Konstituierung eines Vorläufers des Dachverbandes im Jahr 1949 und die darauffolgenden weiteren Verhandlungen haben in deren Verlauf nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler freimaurerischer Ebene umfassende Prozesse in Gang gesetzt, die schließlich dazu beitrugen, die 1958 errichtete Vereinigung ‚Vereinigte Großlogen der Freimaurer von Deutschland’ zu gründen. Mit Blick auf die dafür beschlossene Struktur und Verfassung wird ersichtlich, aus welchen Anstrengungen und ‚Chancen ergreifen’ die deutsche Freimaurerei in ihrer heutigen Darstellung hervorging.



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